Teilpensionierung als Alternative zur Frühpensionierung

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 01.11.2018

Von Karl Flubacher, Geschäftsleiter Region Nord- und Westschweiz beim VZ VermögensZentrum in Basel

Weil eine Frühpensionierung mit hohen Kosten verbunden ist, prüfen viele eine Teilpensionierung.

Eine Frühpensionierung könnten sich 49 Prozent der Berufstätigen vorstellen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des VZ VermögensZentrums unter 158.8 Personen. Trotz sinkenden Umwandlungssatzes und tieferen Renten bleibt diese Zahl konstant hoch: Schon 2013 bekundeten 48 Prozent der Befragten Interesse an einem vorzeitigen Ausstieg. Doch eine Frühpensionierung ist mit hohen Kosten verbunden.

Erstens fällt das Erwerbseinkommen frühzeitig weg, und es entsteht eine Einkommenslücke. Zweitens wird der Sparprozess in der zweiten und dritten Säule vorzeitig beendet. Und drittens wird das Guthaben in der Pensionskasse in der Regel mit einem tieferen Umwandlungssatz in eine Rente umgewandelt. Kurz: Bei einer Frühpensionierung haben Versicherte weniger Lohn, sparen weniger an und ihre Renten fallen ein Leben lang kleiner aus.

Die Vorteile der Teilpensionierung

Wer seine Frühpensionierung rechtzeitig plant, kann in den Jahren davor gezielt Vermögen aufbauen und so die Einkommenslücke schliessen. Dafür eignen sich eine dritte Säule, ein ausgewogenes Aktienportfolio oder freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse. Wer sich eine Frühpensionierung trotzdem nicht leisten kann, sollte eine Teilpensionierung prüfen.

Dabei wird das Arbeitspensum schrittweise reduziert. Der Vorteil: Im Rahmen des reduzierten Erwerbseinkommens zahlt man weiterhin in die Pensionskasse ein und bleibt bis zur definitiven Pensionierung gegen die Risiken Tod und Invalidität abgesichert. Gleichzeitig fallen dank des Teilzeiteinkommens in der Regel keine AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige an, wie es bei einer vollständigen Pensionierung der Fall ist.

Eine gleitende Pensionierung kann sich auch steuerlich lohnen. So können Versicherte weiterhin in die steuerbegünstigte Säule 3a einzahlen. Wird das angesparte Altersguthaben in der 2. Säule zudem in mehreren Schritten bezogen, fallen wegen der Progression in der Regel weniger Auszahlungssteuern an.

Unterschiedliche Regelungen

Bei einer Teilpensionierung müssen Versicherte berücksichtigen, dass die Pensionskassen diese unter schiedlich regeln; entscheidend ist das Reglement. Aber auch kantonal gibt es Unterschiede. In den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft zum Beispiel akzeptieren die Steuerbehörden drei Teilkapitalbezüge des Pensionskassenkapitals, wenn das Arbeitspensum jeweils um mindestens 20 Prozent reduziert wird. Bis zur nächsten Reduktion des Pensums muss man in beiden Kantonen eine Frist von mindestens einem Jahr einhalten.

Sowohl im Aargau als auch in Basel-Landschaft muss der dritte Bezug des Altersguthabens mit der endgültigen Aufgabe der Arbeitstätigkeit zusammenfallen. Zudem kann das restliche Guthaben dann nur noch als Rente bezogen werden. Im Kanton Zürich muss das Arbeitspensum jeweils um mindestens 30 Prozent reduziert werden, und beim dritten Teilpensionierungsschritt ist das restliche Guthaben in der Pensionskasse ebenfalls als Rente zu beziehen. In der Schweiz bieten immer mehr Unternehmen ihren Angestellten Modelle für eine Pensionierung in Raten an.

Der schrittweise Rückzug aus dem Arbeitsleben hat für alle Beteiligten Vorteile: Während sich die Angestellten nach und nach aus dem Erwerbsleben zurückziehen können, bleiben die Erfahrung und das Know-how dieser Mitarbeiter dem Unternehmen noch mehrere Jahre erhalten.

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