Stiefkind-Adoption ist endlich möglich

Display, 1.1.2018

Von Jonas Schneider, Leiter LGBT Clients beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Am 1. Januar 2018 tritt das revidierte Adoptionsgesetz in Kraft. Auch schwule und lesbische Paare in einer eingetragenen Partnerschaft dürfen künftig ihre Stiefkinder adoptieren. Nicht alle profitieren allerdings davon. Das musst du jetzt wissen, wenn du Stiefkinder hast.

In der Schweiz wachsen heute bis zu 30'000 Kinder in Regenbogenfamilien auf. Wenn schwule oder lesbische Paare und Kinder eine Familie bilden, ist die finanzielle Absicherung besonders anspruchsvoll. Das Vorsorge- und Steuersystem sowie das Erbrecht sind nämlich nach wie vor auf die klassische Familie ausgerichtet. Der Bundesrat und das Parlament haben nun das Adoptionsrecht angepasst. Seit Anfang Jahr ist die Adoption von Stiefkindern nicht mehr nur klassischen Ehepaaren vorbehalten. Endlich dürfen auch gleichgeschlechtliche Paare in eingetragener Partnerschaft oder in einer faktischen Lebensgemeinschaft die Kinder ihres Partners oder ihrer Partnerin adoptieren.

Mit der Adoption entsteht eine vollwertige rechtliche Elternschaft. Die Kinder sind damit viel besser abgesichert, weil sie so einen gesetzlichen Anspruch auf ein allfälliges Erbe haben sowie auf eine Hinterbliebenenrente der AHV, der obligatorischen Unfallversicherung und der Pensionskasse des verstorbenen Elternteils.

Wann ist Adoption zulässig?

Möglich ist die Adoption allerdings nur, sofern der zweite leibliche Elternteil des Kindes unbekannt, verstorben oder mit der Übertragung seiner Rechte und Pflichten einverstanden ist. Voraussetzung ist auch, dass die Adoption die beste Lösung für das Wohlergehen des Kindes darstellt. Eine klassische Adoption ist aber nach wie vor ausgeschlossen. Ist eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt, kommen gleichgeschlechtliche Paare nicht darum herum, sich intensiv mit ihrer Vorsorge zu befassen. Überprüfe deshalb, ob deine Pensionskasse unter bestimmten Bedingungen freiwillig eine Rente an hinterbliebene Lebenspartner, Stief- und Pflegekinder, auszahlt. 

Weitere Massnahmen nötig

Aus meiner Erfahrung sind meist weitere Massnahmen zur Absicherung nötig. Dazu gehören nebst der Eintragung der Partnerschaft auch ein Testament sowie ein Erbvertrag, die maximale Begünstigung bei der Vorsorge - oder eine Kombination von diesen Massnahmen.

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