Sind Immobilienfonds eine sichere Anlage?

Luzerner Zeitung, 20.04.2018

Florian Bächler, Vorsorge-Experte beim VZ VermögensZentrum in Luzern

Leserfrage: Ich (w, 58, verh.) habe 100'000 Franken angespart. Ich möchte das Geld möglichst risikolos anlegen und denke an Immobilienfonds. Welche anderen, wenig riskanten Möglichkeiten zur Geldanlage sind bei diesem Betrag zu empfehlen? Sind Immofonds weniger Schwankungen ausgesetzt als Aktienfonds?

Wer sein Geld in Immobilienfonds anlegen möchte, dem steht eine schwer überschaubare Anzahl von Möglichkeiten offen. Es gibt Fonds, die nur in Geschäftsliegenschaften investieren, andere nur in Mehrfamilienhäuser, wieder andere sind auf Logistikgebäude, Kliniken oder Pflegeheime spezialisiert. Jeder Bereich hat sein eigenes Chancen- und Risikoprofil.

Genau informieren

Vor einem Investment sollten Sie diese Eigenheiten genau kennen. Auch die regionale Verteilung des jeweiligen Immobilienportfolios und die Leerstandsquote sollten Ihnen bekannt sein. In vielen Fällen sind diese Informationen aber nicht einfach zu beschaffen.

Diversifizierte Fonds

In Ihrem Fall könnten sich Fonds anbieten, die in mehrere Immobilienfonds investieren wie beispielsweise die relativ günstigen Immobilien-ETF (ETF = Exchange Traded Fund, börsengehandelter Indexfonds). Damit machen Sie Ihre Investition weniger abhängig von regionalen und branchenspezifischen Trends. Zudem verteilen Sie Ihr Geld auf mehrere Fonds – von der Investition in nur einen einzigen Immobilienfonds ist abzuraten. Sie sollten auch nicht Ihr ganzes Geld nur in Immobilienfonds investieren. Verteilen Sie die Risiken möglichst breit auf verschiedene Anlageklassen. Oft sind zum Beispiel passive Anlagen wie ETF eine gute Lösung: ETF sind in der Regel transparent, günstig und lassen sich schnell wieder zu Bargeld machen – und Sie können ein ganzes Marktsegment mit einer einzigen Transaktion abdecken.

Risikobereitschaft prüfen

Bevor Sie das Geld anlegen, müssen Sie gut abwägen, wie viel Risiko Sie tragen können und wollen. Sie sind jetzt 58. Daher sollten Sie unbedingt die Finanzplanung für Ihren Ruhestand angehen. So stellen Sie sicher, dass das Einkommen zusammen mit dem Vermögen ausreicht, um die Ausgaben nach der Pensionierung zu decken. Und es könnte sich lohnen, etwas Geld auf dem Konto zu lassen – für Notfälle und unerwartete Ausgaben.

Geringe Schwankungen

Grundsätzlich sind Sie mit Immobilienfonds gegen Börsengewitter relativ gut geschützt. Denn Sie investieren – indirekt – in Gebäude, deren Wert nicht so stark schwankt wie beispielsweise Aktienkurse. Ein weiteres Argument sind die relativ hohen und meist stabilen Ausschüttungsrenditen.

Hohe Verwaltungskosten

Die Investition ist aber nicht billig. Die Verwaltungsgebühren von Immobilienfonds sind relativ hoch, was die Rendite schmälert. Auch müssen Sie für Fondsanteile meist einen hohen Aufpreis zahlen – also einiges mehr, als Ihr Anteil an den Liegenschaften eigentlich wert wäre. Dies unter anderem deshalb, weil es Alternativen mit ähnlichen Rendite- und Risikoeigenschaften wie Immobilienfonds praktisch nicht gibt.

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