Jobverlust mit 50

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 15.05.2018

Von Romina Mutter, Vorsorge-Expertin beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Wer mit über 50 arbeitslos wird, bleibt es immer länger. Laut Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) waren im März 47,4 Prozent der Arbeitslosen über 50 Jahren mehr als ein Jahr auf Stellensuche. Einige finden auch gar keine Wiederanstellung mehr. Nach einer Entlassung stellt sich für viele Angestellten die Frage: Wie weiter mit der beruflichen Vorsorge?

Nur wenige Pensionskassen bieten entlassenen Mitarbeitenden die Möglichkeit, bei ihnen versichert zu bleiben. Und wenn, knüpfen sie dies oft an strenge Vorlagen. So müssen gekündigte Angestellte die Beiträge in der Regel selbst zahlen - auch jene des Arbeitgebers. Angesichts des Stellenverlustes können sich dies die meisten nicht leisten. Vielen Versicherten bleibt somit nur, das angesparte Pensionskassen-Guthaben auf ein Freizügigkeitskonto zu überweisen. Oder sich frühzeitig pensionieren zulassen.

Vorzeitige Pensionierung führt zu deutlich tieferer Rente

Bei den meisten Pensionskassen kann man sich zwischen 58 und 60 frühpensionieren lassen. Bei der AHV ist der Bezug der Altersleistung ein bis zwei Jahre vor der ordentlichen Pensionierung möglich. Allerdings: Mit der vorzeitigen Pensionierung wird sowohl die AHV als auch Pensionskassenrente lebenslang gekürzt.So schrumpft, etwa die AHV-Rente um 13,6 Prozent, wenn man sie zwei Jahre vor der ordentlichen Pensionierung bezieht. Bei einem Vorbezug von einem Jahr fällt die lebenslängliche Rente um 6,8 Prozent tiefer aus. Erheblich sind die Kürzungen auch bei den Pensionskassenleistungen.

Fehlende Beitragsjahre und Zinsgutschriften schmälern das Alterskapital. Und weil das Guthaben über eine längere Periode ausbezahlt werden muss, senken die Pensionskassen bei einem vorzeitigen Bezug den Umwandlungssatz. Mit diesem Satz wird das Alterskapital in eine Rente umgerechnet. In der Regel schrumpft die Pensionskassenrente von Frühpensionierten um 5 bis 7 Prozent pro Vorbezugsjahr. Das heisst: Ein Versicherter, der sich mit 60 statt mit 65 Jahren pensionieren lässt, erhält unter Umständen über einen Drittel weniger Rente. Tiefer fallen auch die Taggelder der Arbeitslosenversicherung aus, da die Arbeitslosenkasse die Rente als Einkommen anrechnet.

Schriftliche Mitteilung einreichen 

Wer angesichts der Leistungskürzungen weiterhin erwerbstätig bleiben will und deshalb eine neue Stelle sucht, muss dies seiner Pensionskasse schriftlich mitteilen oder eine Anmeldebestätigung der Arbeitslosenkasse vorlegen. Hat die betroffene Person noch keine neue Stelle gefunden, muss sie, wie oben erwähnt, das Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto, Freizügigkeitsdepot oder eine Freizügigkeitspolice überweisen.

Wichtig ist: Findet der Versicherte trotz Bemühungen keine neue Anstellung, kann er sein Pensionskassenguthaben nicht mehr als Rente beziehen (Ausnahme ist die Auffangeinrichtung BVG). So müssen Guthaben bei der Freizügigkeitsstiftung jeweils in Kapitalform bezogen werden. Dafür kann man den Bezug des Guthabens bis zum 70. Lebensjahr aufschieben (Frauen bis zum 69.), womit man erheblich Steuern sparen kann. Zudem müssen Zinsen und Dividendenerträge auf Freizügigkeitskonten nicht als Einkommen und das Guthaben nicht als Vermögen versteuert werden.

Oft lassen sich noch mehr Steuern sparen, wenn man das Pensionskassenguthaben auf zwei verschiedene Freizügigkeitsstiftungen überweisen lässt und gestaffelt bezieht.

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