In der Säule 3a von ETF und Indexfonds profitieren

Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2018

Von Manuel Rütsche, Leiter regelbasierte Vermögensverwaltung beim VZ Vermögenszentrum Zug

Mit den richtigen Wertschriftenlösungen können innerhalb der Säule 3a höhere Renditen erzielt und Gebühren eingespart werden. Besonders geeignet sind kostengünstige, transparente und flexible Angebote mit ETF und Indexfonds.

Die Säule 3a ist ein wichtiges Instrument, um für das Alter vorzusorgen und Steuern zu sparen. Angesichts der demografischen und wirtschaftlichen Herausforderungen für AHV und Pensionskassen nimmt die private Vorsorge weiter an Bedeutung zu.

Vorsorgesparer haben aktuell rund 75 Milliarden Franken in Säule-3a-Angeboten von Banken investiert. Davon sind gemäss einer Schätzung des VZ lediglich rund 15 Milliarden in Wertschriftenlösungen angelegt. Die Renditechancen von Wertschriftenlösungen sind langfristig aber deutlich höher als jene von Kontolösungen. Das gilt gerade im aktuellen Tiefzinsumfeld, in welchem Säule-3a-Konti bei Banken im Durchschnitt nur noch mit rund 0.3 Prozent verzinst werden.

Von den in Wertschriftenlösungen investierten Geldern ist nur ein sehr geringer Teil in passiven Angeboten angelegt. Der Grossteil entfällt auf aktive Produkte, obwohl diese deutlich gebührenintensiver sind als deren passive Pendants. Aktive Lösungen können über 1 Prozent mehr Gebühren pro Jahr verursachen als passive Angebote. Das kann das Vorsorgekapital auf die lange Sicht erheblich schmälern.

Die meisten Vorsorgesparer haben also ein grosses Potenzial, ihre langfristigen Renditechancen zu erhöhen. Einerseits durch eine stärkere Berücksichtigung des Wertschriftensparens, andererseits durch das Einsparen von Gebühren. Die Möglichkeiten dazu fehlen nicht – schon seit fast 10 Jahren können Vorsorgesparer ihre Säule-3a-Gelder flexibel und transparent mit passiven kostengünstigen Anlagefonds umsetzen.

Vorteile von ETF und Indexfonds

Zu den passiven Fonds zählen ETF (Exchange Traded Funds) und Indexfonds. Die Namensgebung kann etwas verwirrend sein, da es sich auch bei ETF um Indexfonds handelt. ETF und Indexfonds haben das gleiche Ziel, nämlich einen Index wie zum Beispiel den SMI möglichst genau und kostengünstig abzubilden. Während ETF an der Börse gelistet sind und deshalb laufend während dem Tag gehandelt werden können, sind Indexfonds einmal pro Tag handelbar. Sowohl ETF als auch Indexfonds eignen sich besonders gut, um langfristig für das Alter vorzusorgen. Denn diese Produkte sind für Anleger relativ einfach verständlich – und deutlich kostengünstiger als aktive Fonds.

Je nach Anlagestrategie, Haltedauer, Risikoaversion und Bedürfnis des Anlegers kann ein ETF oder ein Indexfonds vorteilhafter sein. Vorsorgesparer sollten deshalb bei der Auswahl einer Wertschriftenlösung klären, ob sowohl ETF als auch Indexfonds berücksichtigt werden. Sinnvoll ist im Normalfall eine Kombination.

Stammen sämtliche eingesetzten Produkte vom gleichen Fondsanbieter, deutet das auf keine unabhängige Titelselektion hin. Wichtig bei der Beurteilung der eingesetzten Produkte ist auch, sich nicht ausschliesslich auf die ausgewiesenen Verwaltungsgebühren (TER) zu stützen. Denn nebst diesen Gebühren können weitere Faktoren die Rendite von passiven Fonds beeinflussen, so zum Beispiel das Fondsdomizil im Zusammenhang mit der Rückforderung der Quellensteuern. Bei der Auswahl einfach auf das (vermeintlich) günstigste Produkt zu setzen, greift deshalb zu kurz.

Anlagestrategien mit mehr als 50 Prozent Aktien

Zentral bei einer Wertschriftenlösung ist, dass der Vorsorgesparer sein individuelles Risikoprofil kennt. Dieses wird normalerweise zusammen mit einem Berater hergeleitet. Aus dem Risikoprofil ergibt sich die prozentuale Aufteilung der Anlagesumme auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Zinswerte, Immobilien, Rohstoffe und Gold. Je nach Aufteilung ergeben sich unterschiedliche Rendite- und Risikoerwartungen.

Bis vor wenigen Jahren war der maximal mögliche Aktienanteil auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen auf 50 Prozent begrenzt. Mittlerweile gibt es aber verschiedene Anbieter, die von den erweiterten Anlagerichtlinien Gebrauch machen und so Vorsorgesparern die Möglichkeit geben, den Aktienanteil zu erhöhen. Im Normalfall kann dieser auf ca. 70 bis 80 Prozent heraufgesetzt werden. Damit können Anleger ihre Renditechancen langfristig verbessern – verbunden ist dies aber natürlich auch mit höheren Kursschwankungen.

Grosse Unterschiede bei der Transparenz und Flexibilität

Nicht nur bei den Gebühren gibt es grosse Unterschiede zwischen den Angeboten, sondern auch bei der Transparenz und Flexibilität. Transparente Lösungen ermöglichen den Vorsorgesparern, auf täglicher Basis sämtliche eingesetzten Produkte und deren genaue Gewichtungen sowie sämtliche Transaktionen zu sehen. Damit verbunden ist auch eine hohe Gebührentransparenz.

Bei klassischen Säule-3a-Fonds können Vorsorgesparer nicht von solchen Transparenzvorteilen profitieren. Bei diesen Angeboten ist auch die Flexibilität für Anleger tief – sie können sich lediglich für eine vom Anbieter zur Verfügung gestellte Anlagestrategie entscheiden. Anleger können diesen Vorschlag aber nicht verändern. Flexible Wertschriftenlösungen dagegen ermöglichen dem Vorsorgesparer, dass er beispielsweise selber auswählen kann, welchen ETF oder Indexfonds er einsetzen möchte und wie stark dieser gewichtet werden soll.

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