Erbschaftsplanung nicht auf die lange Bank schieben

Display, 01.04.2018

Von Jonas Schneider, Leiter LGBT Clients beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Die Erbschaftsplanung gehört zu den Dingen, die man gerne verdrängt. Ohne rechtzeitige Vorkehrungen geraten deine Liebsten aber unter Umständen in finanzielle Bedrängnis. Oder das Vermögen fällt Personen zu, mit denen du zu Lebzeiten einen schlechten oder nur einen losen Kontakt hattest.

Ihr kennt das aus dem Freundeskreis: Viele Paare leben seit Jahren zusammen, verzichten aber auf eine Eintragung ihrer Partnerschaft. Oft aus nachvollziehbaren Gründen. Sie befürchten, dass ihre Steuerrechnung nach der Eintragung steigt. Oder sie wollen vermeiden, dass sie nach der Pensionierung weniger AHV erhalten. In meinen Beratungen zeigt sich immer wieder, dass diese Nachteile nicht unbedingt zutreffen. Ohne eingetragene Partnerschaft gelten die beiden Partner juristisch als alleinstehende Personen. Das kann im Todesfall empfindliche finanzielle Konsequenzen für den Hinterbliebenen haben.

Welches sind die Konsequenzen, falls die Partnerschaft nicht eingetragen ist?

Wenn kein Testament gemacht wird, fällt das Erbe je zur Hälfte an die Mutter und den Vater des Verstorbenen - sofern beide noch leben. Sind die Eltern schon gestorben, treten an ihre Stelle die Brüder und Schwestern, dann die Nichten und Neffen des Verstorbenen. Der überlebende Partner jedenfalls geht leer aus. Ein Testament kann sich als Lösung anbieten. Damit könnt ihr dafür sorgen, dass ein Teil eures Vermögens dem Partner zugutekommt. Die Begünstigungsmöglichkeiten sind allerdings beschränkt, wenn ein Partner Nachkommen hat. Denn der Pflichtteil der Nachkommen beträgt drei Viertel des Nachlassvermögens, sodass man seinem Lebenspartner mit einem Testament höchstens einen Viertel zuweisen kann.

Schenkungen zu Lebzeiten

Verbessern lässt sich die Situation des Lebenspartners beispielsweise mit Schenkungen zu Lebzeiten. Erbschaften und Schenkungen werden in vielen Kantonen durch die Erbschaftssteuern allerdings stark geschmälert. Die Steuerbeträge fallen selbst bei langjährigen Lebenspartnern recht hoch aus. Im Kanton Zürich zum Beispiel zahlt der Lebenspartner auf eine Erbschaft von 500'000 Franken rund 122'000 Franken Steuern, wenn eure Lebensgemeinschaft seit mindestens fünf Jahren bestand. Auch bei Freizügigkeits- und Säule-3a- Guthaben lässt sich der Partner in vielen Fällen im Todesfall begünstigen. Dazu musst du jedoch die einzelnen Stiftungen vorgängig schriftlich über die Begünstigung informieren.

Eintragung bringt Vorteile

Die Eintragung eurer Partnerschaft auf dem Standesamt verbessert die Erbsituation unmittelbar: Dein Partner hat automatisch einen grossen Erbanspruch. Zudem sind die Pflichtteile deiner Eltern kleiner. Die Erbschaftssteuern fallen überdies vollständig weg. Aber: ein Testament ist trotzdem nötig, sonst erben deine Eltern oder Geschwister
einen Viertel deines Nachlasses. 

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