Eine Frühpensionierung ist teuer

Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 13.04.2018

Von David Spiess, Geschäftsbereichsleiter beim VZ VermögensZentrum Zürich

Zwei von drei Beschäftigten möchten sich gerne frühpensionieren lassen. Doch ein vorzeitiger Rücktritt ist teuer. Eine Pensionierung mit 64 statt 65 Jahren kostet rund ein Jahreseinkommen. Gleichzeitig fallen AHV- und Pensionskassenrente kleiner aus.

Bezieht man die AHV ein Jahr vor der ordentlichen Pensionierung, wird die Rente lebenslang um 6,8 Prozent gekürzt. Wird sie zwei Jahre früher bezogen, beträgt die Kürzung gar 13,6 Prozent. Erheblich sind die Kürzungen auch bei den Pensionskassenleistungen. Fehlende Beitragsjahre und Zinsgutschriften schmälern das Alterskapital. Und weil das Guthaben über eine längere Periode ausbezahlt werden muss, senken die Pensionskassen bei einem vorzeitigen Bezug den Umwandlungssatz; mit diesem Satz wird das Alterskapital in eine Rente umgerechnet. In der Regel schrumpft die Pensionskassenrente von Frühpensionierten um fünf bis sieben Prozent pro Vorbezugsjahr.

Das heisst: Ein Versicherter, der sich mit 63 statt mit 65 Jahren pensionieren lässt, erhält zehn bis 14 Prozent weniger Rente. Im Beispiel in der Tabelle sind alle Kosten aufgeführt, die bei einer Frühpensionierung mit 62 und 64 Jahren anfallen. Die Berechnungen basieren auf einem Netto-Jahreslohn von 90'000 Franken und einem BVG-Jahreslohn von 80'000 Franken. Während die Kosten einer Frühpensionierung mit 64 Jahren im Beispiel rund 92'000 Franken betragen, machen sie bei einer Pensionierung mit 62 Jahren fast 280'000 Franken aus.

Umso wichtiger ist es deshalb, dass man bei einer geplanten Frühpensionierung einen umfassenden Finanz- und Budgetplan erstellt.

Dabei stellen sich Fragen wie:

  • Was kostet eine Frühpensionierung genau?
  • Kann ich mir mit der Rente aus einer Frühpensionierung die gewünschte Lebenshaltung leisten?
  • Wähle ich besser die Rente oder das Kapital?

Schrittweise in Pension gehen

Wem die Frühpensionierung zu teuer ist, kann sich vielleicht eine schrittweise Reduktion des Arbeitspensums überlegen. Immer mehr Pensionskassen erlauben ihren Versicherten in diesem Fall einen vorzeitigen Bezug der Altersleistungen. Wer zum Beispiel mit 60 Jahren sein Arbeitspensum von 100 auf 70 Prozent reduziert, kann bereits dann 30 Prozent seines Pensionskassenguthabens beziehen. Die Altersspanne für eine gleitende Pensionierung liegt je nach Pensionskasse zwischen 58 und 65 oder 70 Jahren. Die meisten Pensionskassen machen nur mit, wenn Versicherte ihr Pensum um mindestens 20 bis 33 Prozent reduzieren. Die Versicherten können in der Regel bei jedem Schritt wählen, ob sie das fällige Altersguthaben auszahlen lassen oder als Rente beziehen wollen.

Eine gestaffelte Pensionierung kann sich auch steuerlich lohnen, wenn man das Pensionskassenguthaben in Kapitalform bezieht. Bei mehreren Teilbezügen fallen dank der Steuerprogression insgesamt weniger Steuern an als bei einem einmaligen Bezug des gesamten Kapitals. Allerdings behandeln nicht alle Kantone solche Teilbeziige gleich. Einzelne Kantone akzeptieren zwei Kapitalbezüge, verteilt auf mehrere Jahre, andere bis zu drei Bezüge. Wer mehr Bezüge plant, sollte sich von der Steuerbehörde vorgängig bestätigen lassen, dass sie dieses Vorgehen akzeptiert und nicht als Steuerumgehung auslegt.

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