Bei "wilder Ehe" aufgepasst: Sichere deinen Liebsten rechtzeitig ab

Display, 01.07.2018

Von Jonas Schneider, Leiter LGBT Clients beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Viele schwule und lesbische Paare leben in einer "wilden Ehe" zusammen, das heisst die Lebensgemeinschaft ist nicht eingetragen. Was die meisten aber nicht wissen: Wenn ein Partner stirbt, steht der andere mit leeren Händen da. Drei Tipps, damit dir dies nicht passiert.

Vorsorge informieren 

Kümmere dich rechtzeitig darum, was mit deinen Vorsorgegeldern passieren soll, wenn dir etwas zustösst. Dein Lebensgefährte hat zwar keinen Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente aus der AHV. Bei der 2. und 3. Säule ist dies aber der Fall. Darum informiere alle deine Vorsorgestiftungen schriftlich, dass du deinen Freund begünstigen möchtest. Doch es gibt Einschränkungen: Die meisten Pensionskassen sehen eine Auszahlung an den Partner nur dann vor, wenn eure Lebensgemeinschaft mindestens fünf Jahre bestanden hat.

Denke neben der Pensionskasse auch an sämtliche Säule-3a-Konten, Lebensversicherungen und allfällige Freizügigkeitskonten. Du musst deinen Lebenspartner überall separat als Begünstigten melden. Auch pensionierte Personen, die eine Rente aus der Pensionskasse beziehen, müssen unbedingt ihren Partner dort anmelden.
 

Nachlass regeln

Ist eure Partnerschaft nicht eingetragen, ist dein Partner kein gesetzlicher Erbe. Hinterlässt du keine Anweisungen darüber, wer dein Vermögen erhalten soll, wird das Erbe nach dem Gesetz aufgeteilt. Und die gesetzliche Erbfolge richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad und nicht etwa danach, wie nahe jemand der verstorbenen Person stand.

Mit einem Testament oder Erbvertrag kannst du dafür sorgen, dass ein Teil deines Vermögens, je nach Konstellation auch das gesamte Vermögen, dem Partner zu Gute kommt. Dann werden jedoch Erbschaftssteuern fällig. Die Höhe ist kantonal unterschiedlich und kann mehr als 30 Prozent betragen - beispielsweise im Kanton Zürich.

Vorsorgeauftrag machen

Empfehlenswert ist ein Vorsorgeauftrag. Damit bewahrst du deine Selbstbestimmung, falls du nicht mehr urteilsfähig sein solltest. Dann entscheidet die von dir im Vorsorgeauftrag genannte Person über deine Finanzen. Sie verwaltet dein Vermögen und füllt zum Beispiel die Steuererklärung aus. Ohne Vorsorgeauftrag erhältst du vom Staat einen Beistand und dein Freund hat kein Recht, die Entscheidungen zu beeinflussen.

Auch eine Patientenverfügung ist ratsam, mit der Vorkehrungen im medizinischen Bereich getroffen werden. Denn auch hier gilt: Ohne Vorkehrungen liegt die Entscheidungsgewalt bei der Familie - und nicht beim Partner.

Diese Seite teilen