Auswandern nach der Pensionierung

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Der Schweizerische Hauseigentümer HEV, 1.10.2018

Von Sven Pfammatter, Niederlassungsleiter beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Viele Schweizer erfüllen sich den Traum von einem Lebensabend im Ausland. Verlockend sind vor allem ein angenehmeres Klima oder günstigere Lebenshaltungskosten.

Damit sich mit dem Auswandern keine gravierende Nachteile einstellen, gibt es wichtige rechtliche und finanzielle Aspekte, die Rentner beachten sollten:

AHV und Pensionskasse

Den Domizilwechsel sollte man der Pensionskasse und der AHV-Ausgleichskasse möglichst früh mitteilen, damit die Überweisung der Renten ohne Verzögerung klappt. Pensionskassen bestehen oft auf einer Überweisung auf ein Konto in der Schweiz. Die AHV-Rente dagegen kann an jeden beliebigen Wohnort und in der Währung des Wohnsitzlandes oder einer anderen einlösbaren Währung überwiesen werden. Frühpensionierte, die in ein Land ausserhalb der EU auswandern, können der freiwilligen AHV beitreten und dadurch Beitragslücken vermeiden, wenn sie die letzten fünf Jahre in der Schweiz AHV-versichert waren.

Immobilienkauf

Wer im neuen Domizilland eine Liegenschaft kaufen möchte, muss diese meistens mit eigenen Mitteln finanzieren oder einen lokalen Kreditgeber finden. Schweizer Banken finanzieren in der Regel keine Immobilien im Ausland. In einigen Ländern ist der Erwerb von Immobilien für ausländische Staatsangehörige beschränkt. Innerhalb der EU können Schweizer aber in jedem Land, in dem sie sich niederlassen, ohne Einschränkungen Grundstücke und Liegenschaften erwerben. Bei der Auswahl und beim Kauf eines passenden Objektes empfiehlt es sich, seriöse Fachleute beizuziehen, die den lokalen Immobilienmarkt kennen und mit den rechtlichen Bestimmungen vertraut sind.

Kapitalanlagen und Devisen

Das Vermögen wird voraussichtlich einen grossen Beitrag zum Lebensunterhalt leisten. Der Anlagefokus verlagert sich vom Schweizer Franken auf die Referenzwährung des Gastlandes, in der auch die Lebenshaltungskosten anfallen. Die Devisen, die man bei der Auswanderung benötigt, kauft man am besten in mehreren Tranchen, um einen möglichst günstigen Durchschnittskurs zu erhalten. Wer in ein Land mit grossen Devisenkursschwankungen, hoher Inflation oder allgemein wirtschaftlich und politisch instabilen Verhältnissen übersiedelt, belässt besser einen grossen Teil seines Vermögens in der Schweiz.

Steuern

Mit dem definitiven Wegzug aus der Schweiz werden grundsätzlich das gesamte Einkommen und das Vermögen im Ausland steuerpflichtig. Für schweizerische Geschäftsbetriebe sowie für Immobilien in der Schweiz und den Ertrag daraus bleibt man in der Schweiz beschränkt steuerpflichtig. Der Steuersatz richtet sich nach dem gesamten weltweiten Einkommen und Vermögen. Auf Pensionskassenrenten erhebt die Schweiz in der Regel eine Quellensteuer, wenn der Rentenbezüger im Ausland wohnt.

Die Quellensteuer kann man zurückfordern, falls ein entsprechendes Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und dem Wohnsitzstaat besteht. Dasselbe gilt für Kapitalbezüge von Guthaben aus der zweiten Säule und der Säule 3a. Wer die Quellensteuer nicht zurückfordern kann, sollte seine Vorsorgeguthaben zu einer Freizügigkeits- oder Vorsorgestiftung mit Sitz in einem Kanton mit niedrigen Quellensteuern transferieren und sie erst dann auszahlen lassen.

Nachlass

Auslandschweizer müssen abklären, welche Behörden sich mit der Abwicklung des Nachlasses befassen, welches Recht zur Anwendung kommt und welche formalen Anforderungen letztwillige Verfügungen erfüllen müssen. In manchen Ländern erlaubt es die Rechtsordnung, dass man seinen Nachlass dem schweizerischen Recht unterstellt und die Schweizer Behörden mit der Abwicklung der Erbteilung beauftragt. Abklären sollte man auch die Höhe der Erbschaftssteuern im neuen Wohnsitzland: In der Schweiz sind die Ehepartner und in den meisten Kantonen auch die direkten Nachkommen von der Erbschaftssteuer befreit.