AHV und Pensionskasse: So vermeidest du die häufigsten Fehler

Display, 19.02.2018

Von Jonas Schneider, Leiter LGBT Clients beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Das Vorsorgesystem steht unter Druck. Die Beiträge werden künftig höher und die Renten tiefer. Display zeigt dir auf, wie du deine Vorsorge selber in die Hand nehmen kannst. So kannst du teure Fehler und finanzielle Lücken im Alter vermeiden.

Die Lebenserwartung steigt, die Zinsen verharren auf tiefem Niveau und der Umwandlungssatz ist seit Jahren zu hoch angesetzt. Weil Pensionskassen die ersten beiden Faktoren nicht beeinflussen können, setzen viele den Rotstift einmal mehr beim Umwandlungssatz an.

Gerade bei den Sammelstiftungen weist noch immer eine Mehrzahl einen Umwandlungssatz von mehr als 6 Prozent aus, obwohl sie sich das längst nicht mehr leisten können. Denn laut Experten dürfte der Umwandlungssatz angesichts der hohen Lebenserwartung und des tiefen Zinsniveaus heute höchstens 5,2 Prozent betragen. Es können also weitere Renteneinbussen drohen.

Ein Beispiel: Im Vorsorgeausweis eines 58-jährigen Mannes steht, dass er in seiner Pensionskasse mit 65 Jahren voraussichtlich 700'000 Franken angespart haben wird. Wird dieses Guthaben wie versprochen mit 6,2 Prozent in eine Rente umgewandelt, bekommt er 3617 Franken pro Monat. Wenn die Pensionskasse ihren Umwandlungssatz aber auf 5,2 Prozent senkt, schrumpft seine monatliche Rente auf 3033 Franken. Das ist eine Einbusse von 584 Franken oder 16 Prozent pro Monat. Dieses Beispiel macht deutlich, warum du dich früh auf deine Pensionierung vorbereiten musst. Die folgenden sieben Fehler solltest du dabei vermeiden.

Fehler 1: Du überschätzt die Renten

Viele gehen davon aus, dass die Renten aus Pensionskasse und AHV ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard im Alter weiterführen zu können. Fakt ist aber: Die Renten decken heute in den meisten Fällen weniger als 60 Prozent des letzten Erwerbseinkommens ab.

Wie hoch deine PK-Rente einst sein wird, siehst du auf deinem Vorsorgeausweis. Aber Vorsicht: Als zukünftigen Zinssatz solltest du nur mit 1 Prozent rechnen und beim Umwandlungssatz mit 5 Prozent. Deine AHV-Rente kannst du bei der zuständigen Ausgleichskasse berechnen lassen.

Fehler 2: Du unterschätzt die Rentenkürzungen

Viele Pensionskassen sehen bei Leistungskürzungen eine Übergangsfrist von 5 Jahren vor. Das heisst: Je nach Vorsorgeeinrichtung sind bei einer Revision auch Erwerbstätige betroffen, die schon 55 oder 60 Jahre alt sind. Anders als den jüngeren Versicherten bleibt ihnen wenig Zeit, um allfällige finanzielle Lücken zu schliessen.

Fehler 3: Wohin fliesst dein Guthaben im Todesfall?

Kläre bei deiner Pensionskasse ab, was mit deinem Altersguthaben passiert,wenn dir etwas zustösst. Verlasse dich nicht auf deinen Vorsorgeausweis. An wen werden Renten ausbezahlt? Oder wird ein Todesfallkapital ausbezahlt? Du kannst diese Begünstigung in einem beschränkten Rahmen ändern.

Fehler 4: Du nutzt die Steuervorteile nicht

Für Erwerbstätige sind Einzahlungen in die dritte Säule und freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse die mit Abstand wirkungsvollsten Massnahmen, um die Steuerbelastung zu senken. Die einbezahlten Beträge darfst du in der Regel vom steuerbaren Einkommen abziehen.

Ein Beispiel: Ein eingetragenes Paar aus Zürich mit einem steuerbaren Einkommen von 120'000 Franken pro Jahr spart 4175 Franken Steuern, wenn beide Partner den Maximalbeitrag in die Säule 3a einzahlen. 2018 beträgt der Maximalbeitrag 6768 Franken pro Jahr und Person. Wenn die beiden Partner zusätzlich 10'000 Franken in ihre Pensionskassen einzahlen, dann sparen sie zusätzlich 2713 Franken Steuern. Wie viel du freiwillig in die Pensionskasse einzahlen kannst, steht in deinem Vorsorgeausweis - du kannst aber auch bei deiner Pensionskasse nachfragen.

Fehler 5: Du fängst zu spät mit dem Sparen an

Heute ist es wichtiger denn je, zusätzlich zur obligatorischen Vorsorge selbst für sein Alter zu sparen. Je früher man damit beginnt, desto weniger muss man jeden Monat zur Seite legen, um im Alter genug Vermögen zu haben. Es lohnt sich dabei, einen Teil der Sparbeträge in Aktien zu investieren. Wer zum Beispiel in den letzten 15 Jahren jeden Monat 300 Franken in den SMI investierte, verfügt heute über ein Vermögen von 102'480 Franken.

Fehler 6: Du schiebst die Planung auf die lange Bank

Zugegeben: Das Thema Altersvorsorge ist komplex und Vorsorgeausweise sind auf den ersten Blick schwer verständlich. Schiebe deine Vorsorge trotzdem nicht auf die lange Bank. Wer im Alter gut über die Runden kommen will, muss sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen. Dabei solltest du deine finanziellen Bedürfnisse analysieren. Es kann sich für dich lohnen, mit einem Profi eine Auslegeordnung und einen Vorsorgeplan zu erstellen.

Fehler 7: Du bindest zu viel Geld im Eigenheim

Viele Eigenheimbesitzer fürchten, dass die Bank nach ihrer Pensionierung die Hypothek kündigt und sie ihr Heim verkaufen müssen. Deshalb amortisieren manche einen Teil ihrer Hypothek mit Vorsorgeguthaben, das mit der Pensionierung zur Auszahlung kommt.

Die Folge: Dieses Kapital ist dann im Haus gebunden. Du kannst es nicht mehr zur Deckung deiner Ausgaben brauchen. Im Extremfall musst du deine Ausgaben auf die monatlichen Renten beschränken, welche aber tiefer sind, da du Geld in die Hypothek gesteckt hast.

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