Vorsorgefalle im Konkubinat

Basler Zeitung, 13.7.2017

Tobias Flury, Vorsorge-Spezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel

Immer mehr Paare entscheiden sich heute bewusst gegen eine Heirat. Was viele nicht wissen: Rechtlich sind Konkubinatspaare im Alter oder im Todesfall deutlich schlechter abgesichert als Ehepaare.

Dies ist sogar auch dann der Fall, wenn unverheiratete Paare sehr lange zusammen leben oder gemeinsame Kinder haben. Im Todesfall haben Konkubinatspaare keinen Anspruch auf Hinterlassenenleistungen der AFIV. Diese sichert nur Verheiratete und Kinder ab. Anders sieht es bei der 2. Säule aus. Je nach Reglement kann es sein, dass die Pensionskasse des verstorbenen Partners freiwillig eine Rente oder eine einmalige Kapitalabfindung auszahlt.

Dazu müssen Konkubinatspaare allerdings eine oder mehrere Bedingungen erfüllen:

  • die Lebenspartnerschaft dauert zum Zeitpunkt des Todes mindestens fünf Jahre;
  • der hinterbliebene Partner wurde vom Verstorbenen finanziell erheblich unterstützt;
  • der hinterbliebene Partner sorgt für ein gemeinsames Kind.

Darüber hinaus verlangen die meisten Pensionskassen, dass die versicherte Person zu Lebzeiten eine schriftliche Begünstigungserklärung zugunsten ihres Lebenspartners eingereicht hat. Eine solche Begünstigungserklärung können Konkubinatspaare bereits dann abgeben, wenn heute noch keine der Bedingungen für eine Partnerrente erfüllt sind. Die Pensionskasse prüft dann nach dem Tod des Versicherten, ob der Lebenspartner Anspruch auf Hinterbliebenenleistungen hat.

Testament aufsetzen

Im Gegensatz zum Ehepartner werden Konkubinatspartner bei der gesetzlichen Erbfolge nicht automatisch berücksichtig. Das heisst: Um dem Partner einen Teil seines Vermögens vermachen zu können, müssen Konkubinatspaare ein Testament aufsetzten. Allerdings gibt das Erbrecht enge Schranken vor. Hinterlässt ein Konkubinatspartner zum Beispiel Kinder, kann er seinem Partner nur ein Viertel seines Vermögens im Testament zuweisen, weil der Pflichtteil der Nachkommen drei Viertel beträgt. Sind keine Nachkommen vorhanden, haben die Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil.

Steuerliche Konsequenzen

Benachteiligt sind Konkubinatspartner auch bei den Erbschaftssteuern. Konkubinatspartner zahlen zum Beispiel im Kanton Basel-Stadt für ein Erbe von 250'000 Franken rund 26'000 Franken Steuern. Im Kanton Basel-Landschaft sind es 33'000 Franken. Bestand das Konkubinat seit weniger als fünf Jahren, fallen in Basel-Stadt sogar über 78'000 Franken und in Basel-Landschaft 72'000 Steuern an, weil dann die Steuerbehörde den Tarif für Nichtverwandte anwendet. Ehepartner hingegen sind von der Erbschafts- und Schenkungssteuer befreit.

Höhere AHV-Altersrente

Besser gestellt sind unverheiratete Paare einzig bei der Altersvorsorge, namentlich bei der AHV: Ehepaare erhalten zusammen höchstens 3525 Franken AHV-Altersrente. Paare im Konkubinat können hingegen bis zu 4700 Franken bekommen, wenn beide Partner Anspruch auf die maximale Einzelrente haben. Das kann vor allem für Paare von Bedeutung sein, die im fortgeschrittenen Alter eine Heirat erwägen.

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