Vermögensverzehr im Alter

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Der Schweizerische Hauseigentümer, 15.1.2017

Von Olivier Zihlmann, Geschäftsbereichsleiter beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Vorsorge – Eine sorgenlose Zeit nach der Pensionierung braucht eine gute finanzielle Planung

Mit der Pensionierung ändert sich von einem Tag auf den anderen alles: Plötzlich hat man mehr Zeit für sich und kann aufgeschobene Projekte endlich in Angriff nehmen. Gleichzeitig ändert sich aber auch die finanzielle Situation – vielfach spürbarer als erwartet. Ausgaben für Ferien, Hobbys und andere Freizeitbeschäftigungen steigen in den ersten Jahren nach der Pensionierung oft deutlich an. Auch gesundheitliche Probleme können zusätzliche Kosten verursachen. Beides führt dazu, dass die Ausgaben nach der Pensionierung in der Regel höher sind als die erwarteten Einnahmen.

Leistungskürzungen

Zwar sollten die Leistungen der AHV und die Pensionskasse den gewohnten Lebensstandard im Alter gewährleisten. Doch das ist je länger, je weniger realistisch. Die Pensionskassenrenten sind in den letzten Jahren deutlich gesunken und vielfach nicht an die Teuerung angepasst worden.

Und der Druck auf die Renten hält weiter an: Wer in den nächsten Jahren pensioniert wird, muss mit nochmals tieferen Leistungen vermeiden, dass man sein Vermögen zu rasch verzehrt, ist es wichtig, dass man rechtzeitig eine Budgetplanung erstellt. Dabei werden Einnahmen und Ausgaben einander gegenübergestellt.

Planung der Ausgaben

Zur Schliessung möglicher Finanzlücken sollte das Vermögen in einen Verbrauchs: und einen Wachstumsteil aufgeteilt werden. In den Verbrauchsteil fliesst jener Betrag, der nötig ist, um den Einkommensbedarf für die erste Planungsetappe von zehn Jahren zu decken. Dieses Geld wird sehr sicher und ausschliesslich kurzfristig angelegt und schrittweise aufgebraucht. Der Rest fliesst in den Wächstumsteil und sichert das Einkommer für die folgenden zehn Jahre.

Anlageteil

Aufgrund des sehr langen Anlagehorizontes können sich im Wachstumsteil auch Investitionen in Aktien lohnen – zum Beispiel solche mit einer hohen Dividendenrendite. Dabei profitieren Aktiensparer nicht nur von möglichen Ertragschancen, sondern auch von Dividendenzahlungen. Über die letzten fünf Jahre betrug die Dividendenrendite des Schweizer Aktienmarktes rund 3,2 Prozent pro Jahr. Viele angehende Rentner oder bereits im Ruhestand lebende Pensionäre schrecken oftmals davor zurück, ihr Geld in Aktien anzulegen. Sie gehen davon aus, dass ihr Anlagehorizont zu kurz sei, um vorübergehende Schwankungen aussitzen zu können.

Tatsache ist: Die statistische Restlebenserwartung für Männer und Frauen beträgt nach der ordentlichen Pensionierung rund 19, respektive 23 Jahre. Viele haben also genügend Zeit, um zwischenzeitliche Kursrückschläge zu verkraften.

Reserve für Unvorhersehbares

Wer in Aktien investiert, sollte aber beachten, dass er die Geldanlage nicht mit unmittelbar benötigtem Vermögen tätigt. Ein finanzielles Polster sollte zu jeder Zeit für Unvorhersehbares zur Seite gelegt werden, zum Beispiel für mögliche Renovationen am Haus oder für den Fall einer schweren Krankheit. Wie hoch dieser Geldbetrag sein muss, hängt stark von den jeweiligen Bedürfnissen ab.

Gerade wegen der sehr tiefen Zinsen und der steigenden Lebenserwartung wird es auch für angehende Pensionierte immer wichtiger, in Sachwerte wie Aktien anzulegen. Damit können sie sicherstellen, dass das Vermögen einen ausreichenden Beitrag an ihr Einkommen leistet. Denn die AHV- und Pensionskassenrenten alleine reichen in der Regel nicht aus, um den gewohnten Lebensstil nach der Pensionierung fortzuführen.