Sind die Renten noch sicher?

Diese Seite teilen

Gourmet, 9.11.2017

Von Raphael Ebeneter, Niederlassungsleiter VZ St. Gallen

Das Reformpaket Altersvorsorge 2020 wurde an der Urne abgelehnt. Werden die Renten jetzt gekürzt? Sind die Guthaben in der Pensionskasse noch sicher? Was passiert mit der AHV? Und wie geht es jetzt weiter? Neun Fragen, neun Antworten.

Das Volk hat entschieden: Das Reformpaket Altersvorsorge 2020 soll nicht umgesetzt werden. Was bedeutet das für unser Vorsorgesystem? Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Sind die Renten jetzt noch gesichert?

Die Renten der Pensionskassen dürften wegen der steigenden Lebenserwartung und der tiefen Zinsen weiter schrumpfen. Schon in der Vergangenheit haben die Pensionskassen deshalb den Umwandlungssatz und die Verzinsung im Überobligatorium (versicherte Lohnbestandteile über 84 600 Franken) massiv gekürzt. In der AHV wird das Defizit weiter ansteigen.

Wie hoch ist der gesetzliche Umwandlungssatz?

Für obligatorische Guthaben (versicherte Lohnbestandteile bis 84 600 Franken) bleibt der gesetzliche Mindestsatz weiterhin bei 6,8 Prozent. Im Überobligatorium liegt der Satz vielfach tiefer. Hier haben die Pensionskassen freie Hand, solange sie die gesetzlichen Leistungen erfüllen.

Mein Altersguthaben wird also mit 6,8 Prozent in eine Rente umgerechnet?

Nein. Viele Pensionskassen wenden heute im Obligatorium den gesetzlichen Umwandlungssatz von aktuell 6,8 Prozent an, im Überobligatorium aber einen viel tieferen Satz. Daraus resultiert ein sogenannter umhüllender Umwandlungssatz, der bei Pensionskassen deutlich unter sechs Prozent liegt.

Was kann ich gegen die Rentenkürzung tun?

Angesichts der sinkenden Umwandlungssätze ist es wichtig, seine Altersvorsorge aktiv mitzugestalten. Einen Rentenverlust kann man ausgleichen, indem man vor der Pensionierung mehr Geld zur Seite legt. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.

Wie sicher ist mein Geld in der Pensionskasse?

Trotz erschwerter Rahmenbedingungen stehen die meisten Pensionskassen auf soliden Füssen. Das bestätigt das Pensionskassen-Rating des VZ von 2017. Allerdings rechnen viele Pensionskassen immer noch mit einem zu hohen technischen Zinssatz. Das führt dazu, dass sie einen zu hohen Deckungsgrad ausweisen und sich in falscher Sicherheit wiegen. Denn je höher der technische Zinssatz, desto weniger Vorsorgekapital müssen die Pensionskassen zurücklegen, um die versprochenen Renten auszuzahlen. Wer sich freiwillig in die Pensionskasse einkaufen möchte, sollte darum vor dem Einkauf ihren Gesundheitszustand prüfen. Wenn die Pensionskasse eine Unterdeckung aufweist, drohen Sanierungsmassnahmen, bei denen im schlimmsten Fall auch freiwillige Einkäufe gekürzt werden können.

Wie hoch ist nun das ordentliche Rentenalter?

Frauen können sich weiterhin mit 64 Jahren ordentlich pensionieren lassen, Männer mit 65.

Nimmt die Umverteilung weiter zu?

Ja, die systemfremde Umverteilung von Erwerbstätigen zu Rentnern geht weiter. Schätzungen zufolge werden jedes Jahr mehrere Milliarden Franken umverteilt. Für Erwerbstätige bedeutet das: Ihren Guthaben im Überobligatorium wird weniger Rendite gut geschrieben als den Guthaben der Rentnerinnen und Rentner.

Was geschieht mit der AHV?

Heute schon reichen die Lohnbeiträge nicht aus, um die Renten zu finanzieren. 2016 hat die AHV 766 Millionen Franken mehr ausgegeben als sie an Beiträgen eingenommen hat. Weil die Gesellschaft immer älter wird, steigt hier das Defizit weiter an.

Wird es eine weitere Abstimmung geben?

Die steigende Lebenserwartung wird den Reformdruck auf jeden Fall weiter erhöhen.