Schrittweise in Pension

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Basler Zeitung, 2.3.2017

Arbeitspensum sanft reduzieren und Steuern sparen

Von Roman Kunz, Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum Basel und Liestal

Mehr Zeit für sich, seine Hobbys oder den Partner - genug vom anstrengenden Job: Spätestens ab Mitte 50 denken viele ans Aufhören. Laut Umfragen möchten sich zwei von drei Berufstätigen vorzeitig pensionieren lassen.

Eine Frühpensionierung ist jedoch teuer. Nicht nur das Einkommen fällt weg, sondern auch die Pensionskassenrente ist deutlich tiefer. Unter Umständen fallen auch hohe Steuern an, will man sich alle Vorsorgeguthaben auf einmal auszahlen lassen. Für die Besteuerung zählen die Steuerbehörden nämlich alle Kapitalleistungen aus Penisonskassen-, Freizügigkeits- und Säule-3a-Konten zusammen - in den meisten Kantonen auch die des Ehepartners. Zwar werden Kapitalbezüge zu einem tieferen Satz besteuert als Renten. Wegen der Steuerprogression kann dies trotzdem teuer werden.
 
Wer sein Vorsorgeguthaben hingegen gestaffelt bezieht, zahlt deutlich weniger Steuern. Das Säule-3a-Kapital kann man bis zu fünf Jahre vor dem regulären AHV-Alter beziehen. Das Gleiche gilt für Guthaben auf Freizügigkeitskonten oder -policen. Bei den meisten Freizügigkeitsstiftungen kann man das Guthaben auch erst im Rentenalter beziehen. Männer dürfen den Bezug bis höchstens 70 aufschieben, Frauen bis 69.

Wer über das ordentliche Rentenalter hinaus erwerbstätig bleibt, darf auch den Bezug des 3a-Guthabens um bis zu fünf Jahre aufschieben. Ein noch grösseres Sparpotenzial bieten oft gestaffelte Bezüge des Pensionskassen-Guthabens. Wer zum Beispiel mit 63 Jahren sein Arbeitspensum von 100 auf 50 Prozent reduziert, kann sich bei vielen Pensionskassen die Hälfte seines Altersguthabens auszahlen lassen. Dieses wird dann zu einem tieferen Satz versteuert.

Kantonale Unterschiede

Damit das Steueramt die Teilkapitalbezüge akzeptiert, muss die schrittweise Aufgabe der Erwerbstätigkeit eindeutig und dauerhaft sein. In den Kantonen Aargau und Baselland akzeptieren die Steuerbehörden zwei Teilkapitalbezüge mit der entsprechenden Kürzung des Arbeitspensums. Dabei muss dieses jeweils um mindestens 20 Prozent reduziert werden. Bis zur nächsten Reduktion ist im Kanton Aargau eine Frist von sechs Monaten einzuhalten. In Baselland beträgt sie ein Jahr.

In beiden Kantonen muss der dritte Bezug in einer kompletten Aufgabe der Arbeitstätigkeit münden. Zudem kann das restliche Guthaben nur noch als Rente bezogen werden. Im Kanton Solothurn wird ein dritter Bezug nur in Ausnahmefällen bewilligt. Wie im Kanton Aargau und Baselland muss das Arbeitspensum auch hier jeweils um mindestens 20 Prozent reduziert werden. Die Frist zwischen den einzelnen Teilpensionierungsschritten beträgt ein Jahr. Basel-Stadt erlaubt zwei Teilpensionierungsschritte mit Teilkapitalbezug.

Trotz steuerlichen Vorteilen: Der Entscheid, ob man sich sein Pensionskassenguthaben ganz, teilweise oder als Rente auszahlen lässt, sollte nicht alleine von steuerlichen Gründen abhängig gemacht werden. Genauso wichtig ist die finanzielle Absicherung des Pensionierten und seiner Hinterbliebenen.