Versicherte müssen selber aktiv werden

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Basler Zeitung, 12.1.2017

Marc Hutmacher, Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel und Liestal

Versicherte müssen selber aktiv werden

Die Pensionskassen müssen Geld versprechen, das sie nicht haben. Grund sind die anhaltend tiefen Zinsen. Diese verunmöglichen es Pensionskassen, mit risikoarmen Anlagen eine ausreichende Rendite zu erzielen, um die Rentenversprechen zu erfüllen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Angestellten der geburtenstarken Jahrgänge jetzt in Rente gehen. Sie leben nicht nur länger, sie sind vor allem zahlreich.

Deshalb müssen Pensionskassen Reformen umsetzen. Die Basellandschaftliche Pensionskasse (BLPK) zum Beispiel senkt den technischen Zinssatz per 1. Januar 2018 von drei auf 1,75 Prozent. Der technische Zinssatz ist eine Kennzahl, mit dem berechnet wird, wie hoch die künftige Verzinsung der angesparten Altersguthaben sein muss, um eine lebenslange Rentenzahlung ohne Verlust finanzieren zu können.

Gleichzeitig senkt die BLPK den Umwandlungssatz von 2019 bis 2022 schrittweise von 5,8 auf fünf Prozent. Mit dem Umwandlungssatz wird das Altersguthaben in eine lebenslängliche Rente umgewandelt. Das heisst: Mit einem Altersguthaben von 750‘000 Franken ergibt sich bei einem Umwandlungssatz von 5,8 Prozent eine jährliche Rente von 43‘500 Franken. Mit einem Umwandlungssatz von fünf Prozent beträgt die jährliche Rente noch 37‘500 Franken. Das entspricht einer Kürzung von lebenslang 14 Prozent, oder in diesem Beispiel 6‘000 Franken Rente pro Jahr. Bei einer statistischen Restlebenserwartung von 18 Jahren beträgt der gesamte Rentenverlust für einen Mann 108‘000 Franken. Neben der BLPK nehmen auch die Pensionskassen von Roche, Swisscom und der CS Leistungskürzungen vor. Doch die Massnahmen betreffen nicht nur angehende Pensionierte. Auch bereits Pensionierte müssen sich auf tiefere Leistungen einstellen. So werden beispielsweise bei der BLPK und der Swisscom die Witwen- und Witwerrente von 67 auf 60 Prozent gekürzt. Umso wichtiger ist es darum, dass Versicherte aktiv werden. Bereits mit wenigen Massnahmen lassen sich die Kürzungen abfedern.

Aufschieben oder einzahlen

Mit jedem Jahr, das man über das Pensionsalter hinaus arbeitet, steigen die Renten. Ein Mann, der die AHV-Rente um ein Jahr aufschiebt, erhält bereits eine 5,2 Prozent höhere AFIV-Rente. Lässt man sich mit 70 pensionieren, erhöht sich die Rente um 31,5 Prozent.

Pensionskassen bieten die Möglichkeit, das Altersguthaben mit Beiträgen aufzustocken und so Leistungen einzukaufen. Die Beträge können wie die Einzahlungen in die Säule 3a vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Dabei gilt: Die Ersparnis ist umso grösser, je höher das steuerbare Einkommen ist und je schneller das Geld bezogen wird. Wer ab 40 jedes Jahr den Maximalbetrag in die Säule 3a einbezahlt, spart bis 65 ein Vermögen von 217‘000 Franken an. Die Beiträge, die man in die Säule 3a einbezahlt, darf man vom steuerbaren Einkommen abziehen.