Nach 65 das Geld sicher und ertragreich anlegen

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Basler Zeitung, 9.2.2017

Thomas Muggler, Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel 

Kapitalbezug kann eine Alternative zur Rente sein

Wer pensioniert wird, steht vor der Wahl, sich das Pensionskassenkapital auszahlen zu lassen oder eine Rente zu beziehen. Mit einer Rente ist das Einkommen lebenslang gesichert. Sie hat den Vorteil, dass man sich nicht um die Anlage des Geldes kümmern muss. Im Gegensatz dazu wird der Kapitalbezug einmalig zu einem reduzierten Steuersatz versteuert. Zudem ist es oft einfacher, Hinterbliebene finanziell abzusichern, wenn man das Kapital bezieht.

Wegen den anhaltend tiefen Zinsen verlangen immer mehr Pensionskassen von ihren Versicherten, dass sie einen Teil ihres Altersguthabens als Kapital beziehen. Betroffen sind jeweils Sparguthaben im Überobligatorium, also Lohnbestandteile über 84‘600 Franken. Mit dieser Massnahme folgen einige Stiftungsräte nicht nur internationalen Rechnungsstandards, sondern versuchen auch ihre Pensionskasse zu entlasten. Denn jeder Rentner, der sein Guthaben auszahlen lässt, entlastet die Pensionskasse, weil sie das Langlebigkeitsrisiko nicht mehr tragen muss.

Eigene Absicherung

Doch der Kapitalbezug überfordert viele: Wie sollen sie ihr Geld sicher und ertragreich anlegen? Schliesslich muss es für viele Jahre reichen. Was viele vergessen: Nach der ordentlichen Pensionierung haben Männer eine statistische Lebenserwartung von rund 19 Jahren, Frauen von gut 22 Jahren. Bei einem solchen Anlagehorizont wirken sich kurzfristige Schwankungen an den Börsen deutlich geringer auf die Wertentwicklung aus. Deshalb ist ein sicheres Einkommen bis zum Lebensende auch mit einem Kapitalbezug möglich.

Ein Beispiel: Ein 65-jähriger Mann hat bis zur Pensionierung 750‘000 Franken in seiner Pensionskasse angespart. Bei einem Umwandlungssatz von sechs Prozent erhält er 45‘000 Franken pro Jahr. Da die Rente aber einkommenssteuerpflichtig ist, bleiben bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent netto nach Steuern noch 33‘750 Franken im Jahr. Der Rentner kann sich das ganze Guthaben auszahlen lassen und zum Beispiel zu zwei Prozent anlegen. Abzüglich Auszahlungssteuern von 8,6 Prozent bleiben 685‘350 Franken. Verzehrt er davon jährlich 33‘750 Franken, dauert es mit Abzug der Steuern mehr als 22 Jahre, bis sein Vermögen aufgebraucht ist.

Noch länger reicht das Kapital, wenn die Pensionskasse den Umwandlungssatz von sechs auf fünf Prozent senkt. Bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent beträgt die jährliche Rente dann 28‘125 Franken. Würde der Rentner das Kapital beziehen und sich die Rente selber auszahlen, dauert es gut 27 Jahre, bis sein Kapital aufgebraucht ist. Stirbt er früher, kann er das Ersparte vererben. Ob man sich sein Guthaben ganz oder teilweise auszahlen lässt, sollte man nicht allein von den Steuern abhängig machen. Genauso wichtig sind die eigene Absicherung und diejenige der Hinterbliebenen.