Erwerbstätige müssen Vorsorge planen

Diese Seite teilen

Basler Zeitung, 03.08.2017

Von Tobias Fischer, Vorsorge-Spezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel 

Die steigende Lebenswartung, die anhaltend tiefen Zinsen und die zu hohen Umwandlungssätze bringen das Vorsorgesystem immer mehr aus dem Gleichgewicht. Um die Renten auch in Zukunft zu sichern, hat sich das Parlament nach langem Ringen auf eine Lösung geeinigt.

Am 24. September entscheidet das Volk über das Reformpaket Altersvorsorge 2020. Dabei wird unter anderem darüber abgestimmt, ob der Umwandlungssatz in der obligatorischen beruflichen Vorsorge (BVG) von heute 6,8 auf 6,0 Prozent gesenkt werden soll. Mit diesem Satz rechnen die Pensionskassen die Altersguthaben in eine Rente um. Durch die Reform schrumpfen dieRenten im BVG-Obligatorium um zwölf Prozent.

Im Gegenzug soll die AHV-Rente für Einzelpersonen künftig um 70 Franken erhöht werden. Doch diese Ausgleichsmassnahme wird nicht ausreichen, um die teils grossen Renteneinbussen in der Pensionskasse zu kompensieren. Grund ist das Überobligatorium. Hier können die Pensionskassen den Umwandlungssatz oder die Verzinsung selber festlegen - sofern die gesetzlichen Leistungen verbracht werden.

Im Obligatorium werden aktuell Jahreslöhne bis zu 84'600 Franken versichert, höhere Lohnanteile im Überobligatorium. Aber auch Versicherte, die weniger als 84'600 Franken im Jahr verdienen, können überobligatorisch versichert sein. So zahlen viele Unternehmen höhere Leistungen als gesetzlich vorgeschrieben.

Demnach ist der Grossteil der Erwerbstätigen in der Schweiz einer Pensionskasse angeschlossen, die überobligatorische Leistungen erbringt. Weil Pensionskassen im Überobligatorium freie Hand haben, wenden viele für die Rentenberechnung einen sogenannten umhüllenden Umwandlungssatz an. Das heisst: Sie verwenden im Obligatorium den gesetzlichen Umwandlungssatz von aktuell 6,8 Prozent und im Überobligatorium einen deutlich tieferen Satz. Im Schnitt resultiert daraus bei vielen Pensionskassen ein umhüllender Umwandlungssatz, der deutlich unter sechs Prozent liegt.

Freiwillige Einkäufe

Um finanziell sorgenlos in Pension gehen zu können, müssen Berufstätige und angehende Rentner ihre Vorsorge deshalb zunehmend aktiv mitgestalten. Dazu gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, wie etwa die Einzahlung in die Säule 3a. Erwerbstätige mit Pensionskasse können dieses Jahr bis zu 6768 Franken in die Säule 3a einzahlen und den ganzen Betrag vom steuerbaren Einkommen abziehen.

Aufgrund der tiefen Zinsen rentieren Säule-3a- Konten mit Wertschriften in der Regel deutlich besser als Zinskonten. Bei der Wertschriftenlösung empfiehlt es sich, die Gebühren der verschiedenen Anbieter zu vergleichen. Neben der Säule 3a existieren weitere Wege: So helfen beispielsweise auch freiwillige Einkäufe, das Altersguthaben zu erhöhen. Zudem gelten Einkäufe in die Pensionskasse als eine der besten Möglichkeiten, um Steuern zu sparen - vorausgesetzt, man kauft sich in den Jahren vor der Pensionierung ein und bezieht den freiwillig einbezahlten Betrag nicht als Rente, sondern in Kapitalform. Vorsicht: Wer das einbezahlte Geld als Kapital auszahlen lassen möchte, muss sich spätestens drei Jahre vor dem Bezug einkaufen.