Auch Alleinstehende sollten Nachlass regeln

Basler Zeitung, 31.8.2017

Von Oliver Cazzonelli, Vorsorge-Spezialistin beim VZ VermögensZentrum in Basel

Alleinstehende Menschen geraten oft in einen Zwiespalt: Um ihren letzten Willen sicherzustellen, würden sie gerne ein Testament errichten. Doch wer soll erben, wenn man keine Kinder, keinen Partner, nahe Angehörige oder enge Freunde hat, die man bedenken will? Lohnt es sich dann überhaupt, ein Testament zu errichten?

Grundsätzlich gilt: Regelt eine alleinstehende und kinderlose Person nicht, was nach dem Tod mit ihrem Vermögen geschehen soll, erben unter Umständen Personen, zu denen die verstorbene Person wenig oder gar keinen Kontakt hatte. Die Regeln der gesetzlichen Erbfolge sehen vor, dass in erster Linie die Eltern erben, wenn jemand weder einen Ehepartner noch Nachkommen hinterlässt.

Sind die Eltern schon gestorben, treten an ihre Stelle die eigenen Geschwister, danach die Nichten und Neffen. Sind keine Erben des sogenannten elterlichen Stammes vorhanden, fällt der Nachlass an den Stamm der Grosseltern. Dazu gehören neben den Grosseltern auch Onkel und Tanten, die Cousinen oder Cousins und so weiter. Sind auch da keine Erben vorhanden, erbt letztlich der Staat.

Die Erben selber bestimmen

Mit einem Testament kann der Erblasser die unbekannten Verwandten und mögliche Erbberechtigte ausschliessen und selber bestimmen, wem sein Vermögen nach dem Tod vermacht werden soll. Allerdings dürfen dabei keine Pflichtteile verletzt werden. Hinterlässt der Verstorbene Kinder, Enkel oder Ur-Enkel, steht ihnen in jedem Fall drei Viertel des Nachlassvermögens zu.  Sind keine Nachkommen da, haben die Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil. Bei den meisten Erwerbstätigen ist das Pensionskassen-Guthaben der grösste Teil ihres Vermögens.

Viele Pensionskassen sehen vor, dass beim Tod der versicherten Person das vorhandene Altersguthaben an die Begünstigten gemäss Reglement ausgezahlt wird, wenn sie niemand hinterlassen, der Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente hat. Stirbt ein alleinstehender und kinderloser Versicherter, wird das Guthaben in der Regel den Eltern ausgezahlt. Sind die Eltern bereits gestorben, erhalten die Geschwister, danach die übrigen gesetzlichen Erben das Vermögen.

In einer schriftlichen Begünstigungserklärung an die Pensionskasse kann dieser Versicherte zum Beispiel bestimmen, dass die Mutter und der Bruder je die Hälfte des Kapitals bekommen.  Oder dass die Eltern übergangen werden und alles dem Bruder zufallen soll. Ähnliche Begünstigungsregeln gelten für Kapital in der Säule 3a.

Eigene Stiftung gründen

Besonders Menschen ohne nahe Verwandte wünschen sich oft, dass ihr Vermögen oder ein Teil davon einem guten Zweck zugutekommt. Sie können zum Beispiel im Testament eine oder mehrere gemeinnützige Institutionen berücksichtigen oder eine eigene gemeinnützige Stiftung gründen. Es empfiehlt sich, in einem solchen Fall die Stiftung mit dem Mindestkapital von 50'000 Franken auszustatten, um die Beurkundungs- und Notariatskosten möglichst tief zu halten.

Nach der Gründung stockt man das Stiftungskapital Jahr für Jahr auf und widmet der Stiftung mit einer letztwilligen Verfügung den verbleibenden, frei verfügbaren Teil seines Vermögens.

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