Anlageberatung wird teurer

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Basler Zeitung, 6.04.2017

Marc Hutmacher Niederlassungsleiter beim VZ VermögensZentrum in Liestal

Banken passen ihre Gebührenmodelle umfassend an.

Bisher haben die Banken im Anlagebereich mit Provisionen, die sie im Zusammenhang mit Anlageprodukten erhielten (Retrozessionen) gutes Geld verdient - so gut, dass die eigentliche Beratung grösstenteils über diese Einnahmen quersubventioniert wurde. Der Kunde war entsprechend gewohnt, dass die Beratung "gratis" dazukommt. Doch mit dem Wegfall der Retrozessionen und den schmelzenden Zinserträgen sind die Banken auf neue Einkommensquellen angewiesen.

Viele von ihnen passen die Produktepalette und Gebührenmodelle in der Anlageberatung an. Dabei spielt den Banken auch die Einführung des Finanzdienstleistungsgesetzes (Fidleg) in die Hände. Mit Fidleg will der Gesetzgeber den Kunden vor missbräuchlichen oder nicht angepassten Anlageempfehlungen schützen. Will heissen: Die Banken sind verpflichtet, zu jedem Beratungszeitpunkt sicherzustellen, dass der Kunde die Anlagerisiken verstehen und tragen kann.

Dazu haben viele Banken in der Anlageberatung Paketlösungen eingeführt - und die Gebühren teilweise massiv erhöht. Ziel ist, klare Leistungen gegen klare Vergütungen abzugelten. Dabei unterscheiden die Banken zwischen beratungsfreier Depotführung (Execution-only-Geschäft) und Depotführung inklusive Anlageberatung.

Bei der reinen Depotführung treffen die Kunden sämtliche Anlageentscheide selber und verzichten auf Beratung. Wertschriftentransaktionen tätigen sie vorwiegend über E-Banking, ohne persönlichen Kontakt oder Finanzbericht, teilweise auch ohne Steuerverzeichnis. Kunden, die Unterstützung wünschen, können unter Angeboten mit unterschiedlich intensiver Beratung wählen. Es gibt Dienstleistungspakete, die die Beratung, Gebühren für Börsentransaktionen und die periodische Überwachung der Risiken enthalten. Das umfassendste Paket enthält eine ganzheitliche Vermögensverwaltung, wobei die Kunden die Verwaltung des Vermögens der Bank überlassen.

Kosten vergleichen

Die Angebotspakete werden in der Regel in prozentualen Tarifen angeboten. Je nach gewählter Anlagestrategie und Ausgestaltung des Angebots erhebt die Bank unterschiedlich hohe Gebühren. Wer sich für das umfassendste Paket entscheidet, zahlt bei den meisten Finanzinstituten in der Regel jährlich mehrere Tausend Franken an Gebühren. Auch Kunden, die keine Beratung in Anspruch nehmen und nur über ein Wertschriftendepot verfügen, müssen bei vielen Banken dieselben oder steigende Gebühren in Kauf nehmen.

Die Banken begründen dies vor allem mit steigenden regulatorischen Anforderungen. Es lohnt sich deshalb die verschiedenen Angebote zu vergleichen. Wer zum Beispiel über ein Wertschriftendepot von 200'000 Franken verfügt, kann jedes Jahr 1'000 Franken sparen, wenn er 0,5 Prozent weniger Gebühren zahlt. Auf zehn Jahre gerechnet sind das 10'000 Franken mehr Vermögen.