Zinsanstieg unwahrscheinlich

Basler Zeitung, 14.1.2016

Von Thomas Muggler,  Hypothekar-Experte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Rheinfelden

Geldmarkthypotheken sind weiterhin deutlich günstiger als Festhypotheken

Auch wenn die amerikanische Notenbank den Leitzins jüngst angehoben hat; Schweizer Festhypotheken bleiben extrem günstig. So kostet eine Festhypothek heute im Schnitt 0,5 Prozentpunkte weniger als noch vor einem
Jahr. Im Vergleich zu Geldmarkthypotheken (auch Libor-Hypothek genannt)
sind Festhypotheken aber immer noch zu teuer.

Eine fünfjährige Festhypothek kostet heute je nach Finanzinstitut zwischen 1,2 und 1,9 Prozent, eine zehnjährige zwischen 1,6 und 2,0 Prozent. Doch so verlockend dies auch erscheinen mag, der Zeitpunkt für einen Abschluss ist definitiv zu früh. Denn die Zinsen dieses Hypothekarmodells werden weiterhin auf der Basis von null Prozent plus Bankenmarge festgelegt. Tatsächlich bewegt sich die Basis aber im Minus.

Das bedeutet: Erst wenn die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Negativzinsen aufhebt und den Leitzins auf über null Prozent anhebt, können Festhypotheken wieder substanziell teurer werden. Viele Immobilienbesitzer sind deshalb mit einer Geldmarkthypothek besser bedient. Diese sind nach wie vor für rund ein Prozent zu haben. Verglichen mit dem durchschnittlichen Zins einer zehnjährigen Festhypothek von 1,8 Prozent sind das 0,8 Prozentpunkte weniger. Wer die nächsten zehn Jahre auf eine Geldmarkthypothek setzt, bezahlt bei einer Hypothek von 500'000 Franken im Durchschnitt Zinskosten von 50'000 Franken. Das sind 40'000 Franken
weniger als bei einer Festhypothek.

Tiefes Zinsumfeld in Europa

Ausserdem ist ein plötzlicher Zinsanstieg unwahrscheinlich. Auch wenn die US-Notenbank bereits weitere Zinsschritte angekündigt hat, stehen die Chancen gut, dass Geldmarkthypotheken in der Schweiz noch länger lediglich ein Prozent kosten. Grund ist das tiefe Zinsumfeld in Europa. So wird etwa das Euroland voraussichtlich bis mindestens Ende März 2017 mit billigem Geld überflutet, und zwar mit monatlich 60 Milliarden Euro. Vorher dürfte kaum mit einer Anhebung des Leitzinses zu rechnen sein.

Neben der Europäischen Zentralbank belässt auch die SNB die Leitzinsen unverändert. Ende 2015 hat sie nochmals bekräftigt, an den negativen Zinsen bis auf Weiteres festzuhalten, um den Schweizer Franken weiterhin zu schwächen. So ist es nicht überraschend, dass die Zinsprognosen für Geldmarkthypotheken eine Seitwärtskurve zeigen. Der Zinssatz von rund einem Prozent basiert auf einem Libor von null Prozent zuzüglich einer individuellen Marge, die sich nach der Bonität des Hypothekarnehmers richtet. Dabei liegt der Drei-Monats-Libor viel tiefer als null, er schwankte in letzter Zeit um -0,8 Prozent. Zwischen dem tatsächlichen und dem kalkulatorischen Libor ergibt sich ein Zinspuffer von rund 0,8 Prozentpunkten.

Erst wenn der tatsächliche Libor um diesen Wert steigt, also wieder im positiven Bereich liegt, dürften auch die Zinsen von Geldmarkthypotheken steigen. Allerdings sind die auf dem Interbankenmarkt gehandelten Zinssätze für Laufzeiten bis weit ins Jahr 2021 negativ. Demnach ist ein plötzlicher, starker Zinsanstieg zurzeit unwahrscheinlich.

Wer sich aber dennoch gegen steigende Zinsen absichern möchte, sollte höchstens ein Viertel bis ein Drittel fest abschliessen und den Rest mit Geldmarkthypotheken finanzieren.

Diese Seite teilen