Wie kann ich festlegen, wer für mich entscheiden soll?

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Neue Luzerner Zeitung, 19.8.2016

Ratgeber: Uns (Ehepaar, 75 und 70) ist es wichtig, dass wir klare Verhältnisse schaffen, sollten wir im Alter nicht mehr fähig sein, eigene Entscheide zu fällen. In einem Testament haben wir festgehalten, wie das Vermögen nach unserem Ableben verteilt werden soll. Wir möchten aber auch für die Zeit vor dem Tod vorsorgen. Wie machen wir das am besten?

Von Marco Arnold, Nachlassexperte beim VZ VermögensZentrum in Luzern

Wer frühzeitig Anordnungen für seinen Todesfall trifft, erweist seinen Angehörigen in der Regel einen grossen Dienst. Wichtig ist aber auch, dass Sie Massnahmen ergreifen für den Fall, sollten Sie wegen eines schweren Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr für sich selber sorgen können.

Sobald eine Person wegen einer schweren Krankheit oder eines Unfalles nicht mehr für sich selbst entscheiden kann, muss die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) von Gesetzes wegen die Urteilsunfähigkeit der betroffenen Person feststellen und prüfen, ob eine Beistandschaft erforderlich ist. Wenn ja, bestimmt die Kesb einen Beistand, den sie für geeignet hält.

Wenn Sie nicht möchten, dass die Behörde respektive ein amtlicher Beistand über Sie entscheidet, können Sie, vorausgesetzt Sie sind urteils- und handlungsfähig, in einem Vorsorgeauftrag festhalten, wer für die finanziellen und persönlichen Angelegenheiten zuständig ist und wer die rechtliche Vertretung übernimmt Als Vorsorgebeauftragte ist es empfehlenswert, Personen aus dem nahen Umfeld zu emennen, zum Beispiel Ihren Ehe- oder Lebenspartner, Ihre Nachkommen oder andere Angehörige.

Die Behörde muss dann die Urteilsunfähigkeit feststellen, prüfen, ob sich die beauftragte Person eignet und der Vorsorgeauftrag auch die gesetzlichen Formvorschriften erfüllt. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, händigt sie der beauftragten Person eine Urkunde aus, mit der sie zum Beispiel über das Bankkonto verfügen und Verträge kündigen kann.

Eigenhändig verfassen

Den Vorsorgeauftrag müssen Sie wie ein Testament eigenhändig verfassen, datieren und unterschreiben oder öffentlich beurkunden lassen. Gerade wenn Sie verheiratet sind, lohnt sich ein Vorsorgeauftrag. Von Gesetzes wegen steht dem Ehepartner zwar ein Vertretungsrecht zu. Es umfasst aber nur Rechtshandlungen zur Deckung des Unterhaltsbedarfs sowie die ordentliche Verwaltung des Einkommens und Vermögens, zum Beispiel die Begleichung der Miete oder von Pflegekosten der betroffenen Person oder kleinere Reparaturen am Haus.

Für weitergehende Rechtshandlungen wie den Verkauf des Eigenheims, die Aufstockung der Hypothek oder die Vertretung im Rahmen einer Geschäftsbeziehung zu einer Bank ist der Ehepartner auf die Zustimmung der Kesb angewiesen. Liegt dagegen ein Vorsorgeauftrag vor, kann der Ehepartner als Vorsorgebeauftragter grundsätzlich alle Entscheidungen selber fällen sowie alle Rechtshandlungen in Vertretung vornehmen.

Zusätzliche Patientenverfügung

Neben dem Vorsorgeauftrag ist es auch ratsam, eine Patientenverfügung zu machen. Darin halten Sie fest, wie Sie zu bestimmten medizinischen Behandlungen stehen, falls Sie zum betreffenden Zeitpunkt nicht mehr über die nötige Urteilsfähigkeit verfügen. So können Sie im Voraus regeln, welchen medizinischen Behandlungen Sie zustimmen und welche Sie ablehnen.

Im Gegensatz zum Vorsorgeauftrag ist es jedoch nicht nötig, die Patientenverfügung eigenhändig niederzuschreiben. Sie können dafür eine bestehende Vorlage ausfüllen und mit Ihrer Unterschrift und dem Datum versehen. Im Internet oder bei Hilfsorganisationen wie pro Senectute finden Sie Muster für einen Vorsorgeauftrag und Formulare für Patientenverfügungen, die Sie herunterladen.