Wer spart, wird bestraft

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Basler Zeitung, 13.10.2016

Von Philipp Burla, Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum Basel

Zinssturz bei der Säule 3a

Noch beteuern die Banken, dass Negativzinsen für Kleinsparer nicht vorgesehen seien. Fakt ist: Längst sind die Banken dazu übergegangen, diesen Strafzins weiterzugeben. So haben sie nicht nur bei den regulären Sparkonten, sondern auch bei den Säule-3a-Konten die Zinsen teils massiv gesenkt.

Aktuell gewähren Banken auf den Vorsorgekonten im Schnitt knapp ein halbes Prozent Zins. Vor diesem Hintergrund kann es sich für viele Sparer lohnen, zu einem anderen Anbieter zu wechseln. So kann man Vermögen auf dem Vorsorgekonto jederzeit auf ein entsprechendes Konto einer anderen Bank überweisen lassen.

Neben Zinskonten bieten die meisten Banken als Variante des 3a-Sparens Wertschriftenlösungen an. Bei der Säule 3a mit Wertschriften wird das Guthaben in Fonds bestehend aus Aktien, Obligationen und anderen Wertpapieren investiert. Zur Risikominderung dürfen die Fonds im Normalfall höchstens 50 Prozent Aktien halten. Unter gewissen Bedingungen ist aber auch eine höhere Aktienquote zulässig - sofern sie von der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht abgesegnet wurde. Höhere Quoten sind vor allem für jüngere Sparer interessant, die über einen langen Anlagehorizont verfügen.

Auf  Dauer rentiert eine dritte Säule mit Wertschriften in der Regel deutlich besser - vorausgesetzt, man wählt eine Lösung mit günstigen Gebühren. Ein Beispiel: Ein Vorsorgesparer, der von 1991 bis 2015 jedes Jahr den gesetzlichen Höchstbetrag auf ein 3 a-Zinskonto einbezahlt hat, verfügt heute über ein Guthaben von 250‘000 Franken. Mit einer Wertschriftenlösung, die zu 40 Prozent in Aktien investiert, ist das Guthaben rund 34‘070 Franken höher. Wer sich für eine 3a-Wertschriften- Lösung entscheidet, sollte auf die Gebühren achten. Bei den meisten Wertschriftenlösungen verschlingen die Gebühren einen grossen Teil der Rendite. Neben einer jährlichen Verwaltungsgebühr verrechnen Banken in der Regel auch Transaktionskosten, die bei Umschichtungen anfallen; zum Teil sogar noch spezielle Depotgebühren.

Anlagehorizont entscheidet

Eine Säule 3a mit Wertschriften lohnt sich auch für ältere Erwerbstätige - auch wenn viele davon ausgehen, dass ihr Anlagehorizont zu kurz sei, um vorübergehende Kursverluste auszusitzen. Tatsache ist: Die statistische Lebenserwartung für Männer und Frauen beträgt nach der Pensionierung rund 19 respektive 20 Jahre. Viele haben also genügend Zeit, um zwischenzeitliche Kursrückschläge verkraften zu können.

Die meisten Banken zahlen das 3a-Guthaben allerdings automatisch aus, wenn der Inhaber das AHV-Alter erreicht. Das ist ein Nachteil, wenn die Börsenkurse ausgerechnet dann im Keller sind. In so einem Fall werden gewisse 3a-Wertschriften in einem ungünstigen Moment verkauft. Angehende Pensionierte sollten deshalb ihr 3a-Guthaben zu einem Anbieter transferieren, bei dem sie ihre 3a-Wertschriften bei der Pensionierung in ihr privates Wertschriftendepot übertragen können. Dann entscheiden sie selbst, wann der richtige Zeitpunkt für den Verkauf der Wertschriften gekommen ist.