Wer länger arbeitet, erhält mehr Rente

Diese Seite teilen

Basler Zeitung, 10.11.2016

Thomas Muggler ist Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel und Rheinfelden

Länger arbeiten kann sich lohnen

Die Rentenversprechen sind zu hoch und die Zinserträge zu tief. Darum senken einige Pensionskassen ihre Umwandlungssätze massiv. Währenddessen debattiert die Politik darüber, das Rentenalter zu erhöhen.

Fakt ist: Bereits heute arbeiten Männer und Frauen über das ordentliche Pensionsalter hinaus. Im Landesdurchschnitt scheiden Männer mit 65,5 Jahren aus dem Berufsleben, Frauen mit 64,5. Mit der Reform "Altersvorsorge 2020" soll das Rentenalter der Frauen nun auf 65 Jahre erhöht werden.

Das Gute daran: Mit jedem Jahr, das man über das ordentliche Pensionsalter hinaus arbeitet, steigen die Renten. Wer ein Jahr länger arbeitet, erhält eine um 5,2 Prozent höhere AHV-Rente, als wenn er sie mit 65 Jahren bezieht. Wer sich mit 70 pensionieren lässt, erhöht seine Rente gar um 31,5 Prozent. Hinzu kommt: Wer über das ordentliche Pensionsalter arbeitet und den Bezug der AHV aufschiebt, vermeidet, dass er in eine höhere Steuerprogression fällt.

Zusätzliche Sparbeiträge

Bei einer Erwerbstätigkeit im AHV-Alter kann vielfach auch weiterhin in die Pensionskasse eingezahlt werden. Die zusätzlichen Sparbeiträge führen zu einem höheren Altersguthaben. Erlaubt sind auch Einzahlungen in die Säule 3a (Männer bis 70, Frauen bis 69). Die Beiträge sind auf 6‘768 Franken pro Jahr beschränkt, falls gleichzeitig Beiträge in die Pensionskasse gezahlt werden. Wer nicht mehr in die Pensionskasse einzahlt, darf bis zu 20 Prozent des jährlichen Netto-Einkommens in die Säule 3a einzahlen, maximal bis 33‘840 Franken.

Vielfach wollen Erwerbstätige in Führungspositionen ihrem Arbeitgeber auch nach der Pensionierung beratend zur Seite stehen oder Projekte zu Ende führen - am liebsten als freier Mitarbeiter auf Honorarbasis statt als Teilzeitmitarbeiter mit einem fixen Pensum.

Wer in seiner Selbstständigkeit als Einzelunternehmen im Auftragsverhältnis überwiegend für einen einzigen Auftraggeber arbeitet, wird von der AHV normalerweise weiterhin als Angestellter eingestuft. Er erhält von seinem Auftraggeber beziehungsweise Arbeitgeber einen Lohnausweis und muss sich weiterhin der Pensionskasse anschliessen, wenn das Jahreseinkommen mindestens 21‘150 Franken übersteigt.

Keine Aufnahmepflicht

Jene, die von der AHV als selbstständig eingestuft werden und jünger als 65 sind (Frauen 64), können wählen, ob sie sich einer Pensionskasse anschliessen wollen. Pensionskassen haben allerdings keine Aufnahmepflicht. Namentlich gilt diese Regelung für Inhaber von Einzelfirmen, Kollektiv- oder Kommanditgesellschaften, die mehrere Auftraggeber sowie ein sichtbares Auftreten am Markt haben, über eigene Geschäftsräume verfügen, das unternehmerische Risiko selber tragen etc.

Wer ein Jahr später in Rente geht, erhält eine um 5,2 Prozent höhere AHV-Rente

Wer sich zu Beginn seiner Selbstständigkeit noch nicht im Klaren ist, ob er sich einer Pensionskasse anschliessen will, kann sein Guthaben vorübergehend auf ein Freizügigkeitskonto überweisen lassen. Allerdings: Schliesst er sich danach keiner Pensionskasse an und das Guthaben bleibt bis zur Aufgabe der Erwerbstätigkeit bei einer Freizügigkeitsstiftung, kann es schliesslich nur noch als Kapital bezogen werden.