Wenn Ehepaare eine Liegenschaft kaufen

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Basler Zeitung, 1.9.2016

Bei einer Scheidung oder einem Todesfall kann es zu unerwünschten Folgen kommen.

Von Marc Hutmacher, Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum

Wenn Ehepartner gemeinsam ein Haus oder eine Eigentumswohnung kaufen, bringt dies manchmal ungeahnte Risiken mit sich. In Kauf- und Finanzierungsgesprächen werden Themen wie Scheidung und der Tod eines Partners meist vermieden. Doch wer keine Regelungen trifft, könnte schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Viele Paare erwerben eine Liegenschaft im Miteigentum und lassen im Grundbuch eine Eigentumsquote von jeweils 50 Prozent eintragen, damit das Haus beiden Ehepartnern zu gleichen Teilen gehört. Bringt ein Ehepartner mehr Eigenkapital ein als der andere, lässt sich auch die genaue Eigentumsquote im Grundbuch festhalten. Damit wird sichergestellt, dass im Fall einer Scheidung einem Ehepartner nicht Vermögen zufällt, das er nie eingebracht hat. Oft wählen Paare eine von den tatsächlichen Verhältnissen abweichende Eigentumsquote, um den überlebenden Partner finanziell besserzustellen.

Das Eigengut schützen

Die meisten Ehepaare leben im Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung. Das Vermögen besteht aus der Errungenschaft, die während der Ehe aufgebaut wurde, und dem Eigengut. Das Eigengut umfasst alles, was ein Ehegatte in die Ehe eingebracht beziehungsweise während der Ehe geerbt oder geschenkt bekommen hat, sowie den Wertzuwachs auf diesem Eigengut.

Haben beide Ehegatten Eigengut zum Kauf der Liegenschaft beigesteuert, kann eine Ersatzforderung einen Ehepartner schnell in Bedrängnis bringen. Bringt zum Beispiel der Ehemann das meiste Geld ein, zählt die Liegenschaft zu seinem Eigengut. Bei einer Scheidung wird die Summe, welche die Frau eingebracht hat, wieder ihrem Eigengut zugewiesen. Diese Summe muss ihr der Ehemann als Ersatz zahlen. Ist der Marktwert der Liegenschaft seit dem Kauf gestiegen, ist auch die Ersatzforderung entsprechend höher. Einen Verlust hingegen muss der Ehemann alleine tragen.

Den Partner finanziell absichern

Nicht zuletzt muss die Nachlassregelung so ausgestaltet sein, dass beide Ehepartner finanziell in der Lage sind, das Haus nach dem Tod des anderen zu halten. Je nach Ausgangslage lässt sich dieses Ziel am besten mit einem Ehevertrag, Testament, Erbvertrag, einer Todesfallrisiko Versicherung oder mit einer Kombination dieser Absicherungsinstrumente erreichen. Das Vermögen sollte zudem so strukturiert sein, dass der überlebende Ehepartner genügend freie Mittel zur Verfügung hat, um Pflichterben auszuzahlen und die laufenden Kosten zu tragen. Ansonsten könnte der überlebende Ehepartner gezwungen sein, die Liegenschaft zu verkaufen.

Ein Beispiel: Ein Ehepaar besitzt ein Haus im Wert von 800'000 Franken. Die Hypothek beläuft sich auf 600'000 Franken. Bis zum Tod des Ehemannes verdiente das Paar gemeinsam jährlich 160'000 Franken. Danach sind es nur noch 40'000 Franken plus einer Witwenrente von 52'000 Franken im Jahr. Damit übersteigen die Kosten des Hauses ein Drittel der Einnahmen. Die Ehefrau müsste in diesem Fall die bestehende Hypothek um rund 150'000 Franken amortisieren.