Wenn das Ferienhaus zu Streit führt

Basler Zeitung, 25.2.2016

Von Roman Kunz, Nachlassexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Liestal

Erblasser sollten regeln, welche Erben welche Vermögenswerte erhalten sollen

Bei einer Erbteilung stellt sich oftmals die Frage nach der gerechten Verteilung - insbesondere dann, wenn Liegenschaften oder Grundstücke vererbt werden. Denn im Gegensatz zu Wertschriften oder Kontoguthaben lassen sich diese nicht einfach gleichmässig unter den Erben aufteilen. Nicht selten führen vererbte Immobilien deshalb zu Streit unter den Erben. Und die Erbteilung verzögert sich über Jahre hinweg.

Solange die Erben sich nicht über die Aufteilung des Nachlasses einigen können, bilden sie eine sogenannte Erbengemeinschaft und können nur gemeinsam über die Vermögenswerte einer Erbschaft verfügen. Will heissen: Sämtliche Entscheide, die das Erbe betreffen, müssen von den Mitgliedern einstimmig gefällt werden. Das gilt selbst für reine Verwaltungshandlungen, wie beispielsweise eine Reparatur am Haus. Der Anteil am Erbe, der dem einzelnen Mitglied zusteht, spielt dabei keine Rolle.

Zwar räumen die geltenden Gesetze dem überlebenden Ehepartner ein Vorrecht auf das Haus oder die Wohnung ein, die das Ehepaar gemeinsam bewohnt hat, sowie auf das gemeinsame Mobiliar und ein allfälliges Auto. Anders sieht es hingegen bei einem Ferienhaus oder einer Ferienwohnung aus. Hier hat der überlebende Ehepartner kein Vorrecht. Er muss zusammen mit den übrigen Erben ausmachen, was mit der Liegenschaft geschieht. Dasselbe gilt auch für das vermietete Mehrfamilienhaus.

Oft kann sich die Erbengemeinschaft nicht auf einen Verkauf der Liegenschaft einigen, weil ihre Preisvorstellungen weit auseinanderliegen oder mehrere Erben das Haus selbst übernehmen möchten. Kommt es zu keiner Übereinkunft, kann jeder Miterbe jederzeit gerichtlich die Erbteilung verlangen. Das Gericht ordnet den Zwangsverkauf der Liegenschaft beziehungsweise eine öffentliche Versteigerung oder eine Versteigerung nur unter den Erben an. Dies ist für alle Beteiligten aber die schlechteste Lösung. Denn der Erlös ist in so einem Fall meistens deutlich geringer als bei einem normalen Verkauf. Und die Kosten für das Gerichtsverfahren können je nach Streitwert sehr hoch sein.

Darum ist es oft von Vorteil, wenn Erblasser in ihrem Testament regeln, wer welche Vermögenswerte aus dem Nachlass erhalten soll. Ohne solche Teilungsvorschriften kann die Erbteilung langwierig, aufreibend und teuer werden. Oder die Liegenschaft muss entgegen der Absicht des Erblassers verkauft werden. Eine Teilungsvorschrift kann auch für den überlebenden Ehepartner sinnvoll sein, wenn man ihm neben seinem gesetzlichen Vorrecht auf das gemeinsam bewohnte Heim und das gemeinsame Mobiliar auch weitere Vorrechte einräumen möchte.

Bei Teilungsvorschriften gilt es zu beachten, dass keine Erbquoten oder gar Pflichtteile verletzt werden dürfen. Der Wert eines zugeteilten Vermögens kann sich im Lauf der Jahre stark verändern und deshalb unter Umständen erst zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Verletzung der Erbquote führen. Ebenso sollte man bedenken, dass der bevorteilte Erbe ohne anderslautende Vereinbarung die übrigen Erben für den übersteigenden Anteil abfinden muss.

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