Viele vergessene Pensionskassengelder

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Basler Zeitung, 29.12.2016

Michael Fuss, Pensionskassenspezialist beim VZ Vermögenszentrum in Basel

Bei Stellenwechseln können Vorsorgegelder verloren gehen - die Zentralstelle hilft bei der Suche

Nur wenige Angestellte verbringen ihr gesamtes Arbeitsleben bei einem einzigen Arbeitgeber. Oftmals wird die Stelle mehrere Male gewechselt. Dabei können Pensionskassengelder leicht verloren gehen. Denn nicht selten bricht aus irgendwelchen Gründen der Kontakt zwischen der Vorsorgeeinrichtung und dem Versicherten ab. Laut Schätzungen der Eidgenössischen Finanzkontrolle sind in der Schweiz Altersguthaben von rund fünf Milliarden Franken verwaist (siehe Seite 7).

Bei einem Stellenwechsel müssen sich die Arbeitnehmer nach geltendem Recht selber darum kümmern, dass das angesparte Alterskapital zur neuen Vorsorgeeinrichtung oder auf ein Freizügigkeitskonto überwiesen wird. In der Regel werden die Arbeitnehmer von der bisherigen Pensionskasse dazu schriftlich aufgefordert.

Tiefere Rente

Nicht selten geht der Brief aber vergessen oder verloren. Das Guthaben bleibt liegen. Spätestens nach zwei Jahren muss die Vorsorgeeinrichtung das Guthaben an die Auffangeinrichtung BVG überweisen. Ohne Nachforschungen bleibt das Geld dort liegen und der Versicherte muss schliesslich eine tiefere Rente in Kauf nehmen.

In der Schweiz gibt es private Unternehmen, die gegen ein Entgelt nach kontaktlosen und oder vergessenen Geldern suchen. Man kann aber auch selber Nachforschungen anstellen – und dies sogar gratis. Zuständig dafür ist die Zentralstelle für die zweite Säule. Ihr gegenüber sind die hiesigen Vorsorgeund Freizügigkeitseinrichtungen verpflichtet, regelmässig Guthaben zu melden, bei denen der Kontakt zu den Versicherten nicht mehr hergestellt werden kann.

Via schriftliches Formular (zu beziehen auf www.zentralstelle.ch) kann jedermann die Behörde mit einer Suche beauftragen. Notwendig sind Angaben zur Wohnadresse und die AHV-Nummer. Die Suche kann zusätzlich erleichtert werden, indem weitere Unterlagen zu den jeweiligen Arbeitsverhältnissen, wie AHV-Ausweis, Versichertenausweis der zweiten Säule, Arbeitsvertrag und sonstige Dokumente, eingereicht werden. Sobald die Zentralstelle die Anfrage erhalten hat, vergleicht sie die persönlichen Daten mit den eingegangenen Meldungen der Einrichtungen.

Verzinste Guthaben

Gemäss Geschäftsbericht des Sicherheitsfonds BVG gingen im 2015 34‘706 Anfragen zu kontaktlosen Vorsorgeguthaben ein. Dabei konnte die Zentralstelle bei über 40 Prozent der Anfragen Übereinstimmungen finden und verloren geglaubte Gelder korrekt zuweisen.

Bei einer Übereinstimmung wird die betroffene Person informiert. Der Geldtransfer von der kontoführenden Einrichtung an die aktuelle Vorsorgeeinrichtung ist anschliessend durch die berechtigte Person zu organisieren. In der Regel verzinsen Freizügigkeitsstiftungen von Banken oder Versicherungen die Guthaben höher als die Auffangeinrichtung BVG.

Übrigens: Auch nach der Pensionierung sind liegen gelassene Gelder nicht verloren. Sobald eine Vorsorgeeinrichtung ein vergessenes Guthaben meldet, untersucht die Zentralstelle, an welche Adresse die Rentenzahlungen der ersten Säule erfolgen. Im Anschluss werden auch hier die kontoführende Einrichtung und die berechtigte Person informiert.