Teure Anlageberatung

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Basler Zeitung, 17.11.2016

Marc Hutmacher ist Anlagespezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel und Liestal

Bis vor Kurzem haben die Banken ihre Beratung dem Kunden nicht direkt in Rechnung gestellt. Dies nicht zuletzt, weil sie mit Retrozessionen gutes Geld verdienten.

Für Kunden mit einem Wertschriftendepot ohne Vermögensverwaltungsmandat galten deshalb stets die gleichen Depot- und Transaktionsgebühren – unabhängig davon, ob sie keine oder viel Beratung in Anspruch nahmen. Seit aber das Bundesgericht 2012 bestätigte, dass diese verdeckten Vertriebsvergütungen den Kunden gehören, suchen viele Banken nach neuen Einkommensquellen und haben unter anderem ihre Gebührenmodelle angepasst.

Für die Kunden bedeutet dies: Je nach Bank erhalten sie die Retrozessionen neuerdings gutgeschrieben. Stattdessen zahlen sie aber vielerorts höhere Depot- und Transaktionsgebühren. Gleichzeitig erhalten nur Kunden eine Anlageberatung, die extra dafür zahlen. Dabei gilt der Grundsatz: Je intensiver die Beratung, desto höher die Kosten.

Banken führen Paketlösungen ein

Grund für letztere Massnahme sind vor allem regulatorische Änderungen. Um die Kunden vor missbräuchlichen oder nicht angepassten Anlageempfehlungen zu schützen, will der Gesetzgeber mit dem geplanten Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) die Banken zu mehr Transparenz zwingen. Das heisst: Die Banken müssen zu jedem Beratungszeitpunkt sicherstellen, dass der Kunde die entsprechenden Anlagerisiken verstehen und tragen kann.

Dazu haben viele Banken in der Anlageberatung Paketlösungen eingeführt oder planen, diese im nächsten Jahr einzuführen. Ziel ist es, klare Leistungen gegen klare Vergütungen abzugelten. Dabei unterscheiden die einzelnen Banken zwischen einer beratungsfreien Depotführung (Execution-only-Geschäft) und einer Anlageberatung.

Die Angebotspakete werden in der Regel in prozentualen Tarifen angeboten. Je nach gewählter Anlagestrategie und Ausgestaltung des Angebots erhebt die Bank unterschiedlich hohe Gebühren. Dabei gibt es Dienstleistungspakete, die beispielsweise die Beratung, Gebühren für Börsentransaktionen oder die periodische Überwachung der Risiken enthalten. Andere wiederum sind sehr abgespeckt und umfassen lediglich eine Standardüberwachung ohne jährliches Steuerverzeichnis oder einen ausführlichen Finanzbericht.

Wer sich für das umfassendste Paket entscheidet, zahlt bei den meisten Instituten in der Regel jährlich mehrere Tausend Franken. Aber auch Kunden, die keine Beratung in Anspruch nehmen und lediglich über ein Wertschriftendepot verfügen, müssen oft dieselben, wenn nicht gar steigende Depot- und Transaktionsgebühren in Kauf nehmen. Deshalb lohnt es sich, die verschiedenen Angebote zu vergleichen - nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass immer mehr Schweizer Unternehmen ihre Aktiendepots schliessen. Mit der Schliessung des Depots sind Aktionäre gezwungen, ihre Aktien zu verkaufen oder in ein Wertschriftendepot einer Bank zu überführen.