Streit ums Erbe vermeiden

Diese Seite teilen

Basler Zeitung, 20.12.2016

Alessandro Miano, Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel

Ein Willensvollstrecker kann schlichten

Nach einem Todesfall ist die Aufteilung des Erbes für viele Familien eine grosse Herausforderung - selbst dann, wenn der Verstorbene seinen Nachlass in einem Testament oder Erbvertrag geregelt hat. Nicht selten kommt es zu Streit, der sich über Jahre hinziehen kann und die Aufteilung des Erbes blockiert.

Um eine solche Situation zu vermeiden, kann es sich lohnen, im Testament oder Erbvertrag einen professionellen Willensvollstrecker einzusetzen. Er sorgt dafür, dass die Erbschaft optimal verwaltet und im Sinne des Erblassers geteilt wird.

Vorbereiter, Durchführer

Dafür leitet der Willensvollstrecker alle notwendigen Massnahmen ein, damit der Wert der Erbschaft erhalten bleibt. So kümmert sich er darum, dass der Unterhalt einer Liegenschaft nicht vernachlässigt wird. Oder er sucht Nachmieter und schliesst Mietverträge ab. Zudem bezahlt er offene Rechnungen und treibt ausstehende Forderungen ein, kümmert sich um Versicherungen und stösst Wertpapiere ab, die von einem Kurszerfall bedroht sind.

Gleichzeitig bereitet der Willensvollstrecker die Erbteilung vor und führt sie durch. Dazu lässt er Liegenschaften in der Erbmasse von Immobilienexperten bewerten, stellt das Nachlassvermögen fest und macht einen Teilungsvorschlag, gestützt auf die Anordnungen des Erblassers. Wenn die Erben den Teilungsvorschlag ablehnen, kann der Willensvollstrecker die Erbteilung auch gerichtlich durchsetzen.

Vorsicht bei der Wahl

Ein Willensvollstrecker empfiehlt sich vor allem bei komplexen Familien und Vermögensverhältnissen oder wenn die Gefahr besteht, dass die Erben den letzten Willen des Erblassers missachten oder sich zerstreiten. Bei der Wahl sollte man bedacht vorgehen.

Den Ehe- oder Lebenspartner einzusetzen, kann problematisch sein. Auch die Erben eignen sich meistens nicht dafür. Beide haben Eigeninteressen, die bei Streitigkeiten eine neutrale Einschätzung erschweren, und in der Regel fehlt ihnen das fachliche Wissen, das vor allem bei komplexen Sachverhalten notwendig ist. Eine unabhängige Institution, die sich mit Geldanlagen, Steuern, Immobilien, Versicherungen und Erbrecht auskennt, ist in der Regel die beste Wahl. Zudem kann ein Willensvollstrecker nicht einfach so abgesetzt werden, sollte er seine Aufgabe nicht richtig oder nur schleppend erfüllen. Erbende müssen sich bei der Aufsichtsbehörde beschweren. Diese kann den vom Verstorbenen im Testament eingesetzten Willensvollstrecker gegebenenfalls massregeln oder gegen ihn eine Ordnungsbusse verhängen.

Unparteiische Fachperson

Abgesetzt wird ein Willensvollstrecker von der Behörde in der Regel nur bei massiven Verstössen, zum Beispiel bei anhaltender Untätigkeit. Falls der Erblasser keinen Willensvollstrecker eingesetzt hat, können sich die Erben auf einen Erbenvertreter einigen.

Ähnlich wie der Willensvollstrecker kann er als unparteiische Fachperson unter den Erben vermitteln und dazu beitragen, eine Lösung für die Erbteilung zu finden, die für alle Erben akzeptabel ist.