Steuern sparen bei Erwerbstätigkeit im AHV-Alter

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Der Schweizerische Hauseigentümer, 15.4.2016

Von Stefan Weber, Vorsorge-Spezialist beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Mit Mitte 60 ist er endlich da: der Ruhestand. Doch viele Menschen stellen bei der regulären Pensionierung fest, dass sie eigentlich lieber weiterarbeiten wollen, sofern der Arbeitgeber damit einverstanden ist. Die Berufstätigkeit im AHV-Alter kann aber zu hohen Einkommenssteuern führen, wenn zum Lohn noch eine Rente hinzukämmt. Sowohl die AHV, Pensionskasse und die Säule 3a bieten Möglichkeiten, um die Steuerbelastung zu senken und das Einkommen für die Zeit nach der Pensionierung aufzubessern.

Vorsorgeguthaben und Rente später beziehen

Der Bezug der AHV-Altersrente kann bis zu fünf Jahre aufgeschoben werden. Mit jedem aufgeschobenen Jahr erhöht sich auch die Rente. Wartet beispielsweise ein Mann ein Jahr zu, bevor er sich seine AHV-Rente auszahlen lässt, erhält er lebenslang eine um 5,2 Prozent höhere Rente, als wenn er-sie bereits mit 65 bezieht. Wartet eigar bis 70 zu, erhält er lebenslang knapp einen Drittel mehr Rente.

Wer sich für einen Rentenaufschub entscheidet, muss ihn spätestens ein Jahr nach dem Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalters - mit 65 Jahren für Männer beziehungsweise 64 Jahren für Frauen - bei der AHV-Ausgleichskasse anmelden. Den Entscheid für oder gegen einen Aufschub sollte man jedoch nicht allein von der steuerlichen Situation abhängig machen. Entscheidend ist auch die Einschätzung der persönlichen Lebenserwartung. Ohne Steuereffekte muss man mindestens etwa 86 Jahre alt werden, bis sich der Aufschub lohnt. Erst ab diesem Alter ist die Summe aller erhaltenen Renten höher als bei einem regulären Bezug. Neben der AHV-Rente kann man in der Regel auch die Pensionskassenrente um bis zu fünf Jahre aufschieben - sofern man erwerbstätig ist und auch weiterhin Beiträge einzahlt. Die zusätzlichen Sparbeiträge führen zu einem höheren Altersguthaben. Aber nicht nur das: Mit dem aufgeschobenen Bezug steigt nicht nur das Sparkapital, sondern auch der Umwandlungssatz, mit dem die Pensionskasse das Altersguthaben in eine Rente umrechnet. Je nach Pensionskasse sind auch freiwillige Einkäufe in die 2. Säule möglich.

Die Einkäufe können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Wer sein Pensionskassenguthaben oder einen Teil davon in Kapitalform beziehen möchte, muss sich allerdings spätestens drei Jahre vorher einkaufen. Ansonsten sind die Steuern nachzuzahlen, die man dank dem Einkauf gespart hat. Rentenbezüge unterliegen keiner Sperrfrist. Noch mehr Steuern sparen lässt sich etwa mit einem gestaffelten Bezug des Pensionskassenguthabens. Wer zum Beispiel mit 65 sein Arbeitspensum auf 50 Prozent reduziert, kann sich die Hälfte seines Altersguthabens auszahlen lassen und den Bezug des restlichen Guthabens auf später verschieben. Das bereits bezogene Guthaben wird schliesslich zu einem reduzierten Satz versteuert. Damit der Teilkapitalbezug aus Sicht des Steueramtes akzeptiert wird, muss die teilweise Beendigung der Erwerbstätigkeit klar zutage treten und dauerhaft sein. Im Kanton Aargau und Basel-Landschaft zum Beispiel muss das Arbeitspensum um jeweils mindestens 20 Prozent reduziert werden. In Bern und Zürich gar um mindestens 30 Prozent. Zudem muss zwischen den Teilpensionierungsschritten je nach Kanton teilweise eine Frist von sechs Monaten bis zu einem Jahr eingehalten werden.

In die Säule 3a einzahlen

Wer über das ordentliche Pensionierungsalter hinaus erwerbstätig bleibt, darf auch weiter in die Säule 3a einzahlen (Männer längstens bis 70, Frauen bis 69). Die Beiträge sind auf 6'768 Franken pro Jahr (Stand 2016) beschränkt, falls gleichzeitig Beiträge in die Pensionskasse gezahlt werden. Wer keine Pensionskassenbeiträge mehr zahlt, darf bis zu 20 Prozent des jährlichen Nettoeinkommens in die Säule 3a einzahlen, maximal 33'840 Franken.