Sollen wir unserer Tochter eine Leibrente kaufen?

Neue Luzerner Zeitung, 5.2.2016

Ratgeber: Unsere einzige Tochter, 55, wird nach fast 30 Jahren Ehe geschieden. Da sie nur Teilzeit gearbeitet hat und kaum Aussichten auf eine gut bezahlte neue Stelle hat, werden ihre Rentenansprüche bescheiden sein. Wir Eltern überlegen uns deshalb, ob wir ihr eine Leibrente einrichten sollten (zirka 200 000 Franken), um sie für die Pensionierung etwas besserzustellen.
Oder gäbe es bessere Lösungen?

Von Tim Zemp, Senior Consultant beim VZ Vermögenszentrum Luzern

Die Leibrente ist eine Versicherung, die eine lebenslange Rente garantiert. Die meisten Lebensversicherer bieten solche Renten an. Ähnlich wie Pensionskassen zahlen sie die versprochene Rente auch dann weiter, wenn der einbezahlte Betrag aufgebraucht ist. Diese Garantie muss man allerdings teuer erkaufen: Leibrenten sind meistens nur für Versicherer und für die Policenverkäufer ein gutes Geschäft.

Steuerliche Nachteile

Für eine einmalige Einzahlung von heute 200 000 Franken erhält Ihre Tochter ab 64 etwa 6600 bis 8200 Franken Rente pro Jahr. Im Gegensatz zu AHVoder Pensionskassenrenten muss sie davon nur 40 Prozent versteuern. Zum Vergleich: Pensionskassenrenten sind zu 100 Prozent als Einkommen steuerbar. Allerdings wird die Leibrente in der Regel mit Vermögen finanziert, das bereits als Einkommen versteuert wurde. Steuerliche Nachteile ergeben sich zudem auch im Todesfall des Rentenbezügers: Das verbleibende Kapital wird an die Erben ausbezahlt. Von der sogenannten Rückgewährungssumme, also jenem Kapital, das noch nicht durch Rentenzahlungen aufgebraucht wurde, müssen anschliessend 40 Prozent als Einkommen zum Vorsorgetarif versteuert werden. Die restlichen 60 Prozent unterliegen der Erbschaftssteuer. Darüber hinaus fallen auch schnell mal mehrere zehntausend Franken Steuern an, wenn der Versicherte die Police auflöst, wenn er etwa in einem Notfall Geld braucht.

Rentabel nur im hohen Alter

Leibrenten sind deshalb nur sinnvoll, wenn die Sicherheit des Einkommens extrem wichtig ist. Rentabel sind sie höchstens, wenn man sehr alt wird. Hingegen fährt in der Regel deutlich besser, wer sein Geld selber anlegt, am besten in sogenannten ETF, Einzeltiteln oder anderen günstigen Anlageinstrumenten, und kontrolliert aufbraucht. Er kann sich mehr leisten und zahlt weniger Steuern, da im Gegensatz zur Leibrente nur Zins- und Dividendenerträge als Einkommen versteuert werden müssen. Entsprechend bleibt am Ende auch mehr für die Erben übrig.

Sie können das Geld für Ihre Tochter zum Beispiel in einen Verbrauchs- und einen Wachstumsteil aufteilen. In den Verbrauchsteil fliesst der Betrag, der nötig ist, um den Einkommensbedarf für die erste Planungsetappe von zehn Jahren zu decken. Dieses Geld wird sehr sicher und ausschliesslich kurzfristig - beispielsweise in Sparkonten, Festgeldem, Schweizer-Franken-Obligationen usw. - angelegt und schrittweise aufgebraucht.

Der Rest fliesst in den Wachstumsteil und sichert das Einkommen für die folgenden zehn Jahre. Ist der Anlagehorizont lange genug, d. h. mindestens zehn Jahre, wie das bei ihrer Tochter der Fall wäre, kann man einen Teil davon auch in risikoreichere Anlagen wie Aktien investieren, die mehr Rendite versprechen.

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