Selbstständig: Wie vorsorgen fürs Alter?

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Basler Zeitung, 14.4.2016

Von Thomas Muggler, Vorsorgeexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Rheinfelden

Pensionskasse ist für Besserverdienende attraktiv

Inhaber von Einzelfirmen, Kollektiv- oder Kommanditgesellschaften können im Gegensatz zu ihren Angestellten vielfach wählen, ob sie mit oder ohne Pensionskasse fürs Alter vorsorgen wollen. Allerdings: Oftmals überwiegen die Vorteile einer PK-Lösung.

Selbstständige, die sich keiner Pensionskasse anschliessen wollen, können jedes Jahr bis zu 20 Prozent ihres Nettoeinkommens in die Säule 3a einzahlen, jedoch maximal 33 840 Franken. Für jene, die sich bei der Pensionskasse ihrer Angestellten, jener ihres Berufsverbandes oder der BVG-Auffangeinrichtung anschliessen, fällt der Betrag hingegen deutlich kleiner aus. Sie dürfen aktuell maximal 6‘768 Franken pro Jahr in die Säule 3a einzahlen.

Trotz des minderen Betrages: Die Vorteile einer PK-Lösung überwiegen - insbesondere je höher das steuerbare Einkommen ist. Denn laut Gesetz dürfen Versicherte Sparbeiträge von bis zu rund 25 Prozent des AHV-Jahreslohnes von maximal 846‘000 Franken von den Steuern abziehen.

Ein Beispiel: Ein Selbstständiger verdient 200 000 Franken pro Jahr. Hat er sich keiner Pensionskasse angeschlossen, kann er maximal 33 840 Franken in die Säule 3a einzahlen. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent spart er damit 10‘152 Franken Steuern.

Verfügt der gleiche Selbstständige über eine PK-Lösung, kann er bis zu 50‘000 Franken Sparbeiträge in die Pensionskasse und maximal 6768 Franken in die Säule 3a einzahlen. In diesem Fall zahlt der Selbstständige knapp 7000 Franken weniger Steuern als bei einer Vorsorgelösung ohne Pensionskasse und spart ungefähr 23‘000 Franken mehr fürs Alter. Noch stärker kann die Steuerbelastung mit gezielten freiwilligen Einkäufen in die Pensionskasse gesenkt werden. Zudem bietet die PK-Lösung die Möglichkeit, Firmenvermögen im Hinblick auf einen späteren Verkauf des Unternehmens steuergünstig in das private Vermögen zu überführen. Und nicht zuletzt zahlen Selbstständige, die sich bei einer Pensionskasse versichern lassen, weniger Prämien für die Absicherung des Invaliditäts- und Todesfallrisiko, als mit einer privaten Lebensversicherung.

Ein kleines Kollektiv

Selbstständige, die keine Mitarbeiter beschäftigen und sich einer Pensionskasse anschliessen möchten, müssen vielfach sehr hohe Prämien zahlen. Verdient der Firmeninhaber jährlich mehr als 150‘000 Franken, kann es sich deshalb lohnen, die bisherige Rechtsform in eine Aktiengesellschaft oder GmbH umzuwandeln. Zumindest auf dem Papier agiert das Unternehmen anschliessend als ein kleines Kollektiv, was einen Anschluss an eine Pensionskasse ermöglicht. Wer sich für eine PK-Lösung entscheidet, sollte bei mehreren Pensionskassen- Sammelstiftungen Offerten einholen. Denn bei den Kosten für die Verwaltung und die Risikoleistungen bei Invalidität und Tod sind Unterschiede von mehr als 30 Prozent keine Seltenheit - bei identischen Todesfall- und Erwerbsunfähigkeitsleistungen. Keine Wahlmöglichkeit haben allerdings Selbstständige, die Mitarbeiter beschäftigen. Diese müssen sich jener Pensionskassen- Sammelstiftung anschliessen, bei der ihre Angestellten versichert sind.