Schweres Erbe

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Basler Zeitung 14.7.2016

Von Ersin Norkaya, Nachlassspezialist beim VZ VermögensZentrum

Eine Erbgemeinschaft ist langfristig keine gute Lösung

Nach einem Todesfall folgt für die Hinterbliebenen eine schwere Zeit. Die wenigsten wollen sich dann mit juristischen Fragen auseinandersetzen. Früher oder später muss man aber entscheiden - zum Beispiel darüber, wie das Vermögen der verstorbenen Person aufgeteilt werden soll.

Gibt es nur einen Erben, ist die Rechtslage einfach: Dieser kann alleine über den Nachlass walten. Hinterlässt die verstorbene Person mehrere Erben, wird es kompliziert. Sie werden automatisch zu einer Erbgemeinschaft.

Bei einer Erbgemeinschaft darf keiner der Erben allein über Wertsachen oder Gegenstände verfügen. Alle Entscheidungen müssen gemeinsam und einstimmig mit den restlichen Erben gefällt werden. Auch Verträge können nur gemeinsam unterzeichnet werden. Ausnahme: Auf das Haus oder die Wohnung, die das Ehepaar gemeinsam bewohnt hat, sowie das gemeinsame Mobiliar und das Auto räumen die geltenden Gesetze dem überlebenden Ehepartner ein Vorrecht ein.

Die Einstimmigkeit bringt ein grosses Problem mit sich: Ein einzelner Erbe kann die Teilung des Nachlasses jahrelang blockieren, selbst wenn ihm nur ein kleiner Anteil am Erbe gehört und alle anderen Erben einverstanden sind. In der Schweiz gibt es unzählige Erbgemeinschaften, die auch Jahre nach dem Tod des Erblassers noch nicht aufgelöst sind.

Grund für die langwierige Aufteilung sind vielfach komplizierte Familienkonstellationen sowie eine komplexe Zusammensetzung der Erbmasse. Nicht selten besteht das Vermögen von Erbgemeinschaften aus Liegenschaften und Wertschriftenportfolios, die schon über Jahrzehnte im Familienbesitz sind. Aus emotionalen Gründen können sich die Erben meist nicht entscheiden, das Erbe aufzuteilen oder sich von gewissen Vermögenswerten zu trennen. Oder die Ziele und Wünsche liegen weit auseinander.

Entlastung für Hinterbliebene

Zwar kann jeder Miterbe jederzeit gerichtlich die Erbteilung verlangen. Das Gericht erzwingt dann die Teilung des Nachlassvermögens. Es ordnet zum Beispiel den Zwangsverkauf der Liegenschaft beziehungsweise eine öffentliche Versteigerung an. Das ist für alle Beteiligten die schlechteste Lösung: Der Erlös ist meistens deutlich geringer als bei einem normalen Verkauf. Zudem können die Kosten für das Verfahren je nach Streitwert sehr hoch sein, und es dauert nicht selten mehrere Jahre, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt.

Um Streit und einen möglichen erzwungenen Verkauf des Erbes zu vermeiden, kann es sich lohnen, im Testament oder Erbvertrag einen professionellen Willensvollstrecker einzusetzen.

Oder falls der Erblasser keinen Willensvollstrecker eingesetzt hat, können sich die Erben auf einen Erbenvertreter einigen. Beide entlasten die Hinterbliebenen in der Zeit der Trauerverarbeitung von administrativen Aufgaben und kümmern sich um alle finanziellen Belange. Zudem bereitet sowohl der Willensvollstrecker als auch Erbenvertreter die Erbteilung vor und führt sie durch. Beide stellen das Nachlassvermögen fest und machen schliesslich einen Teilungsvorschlag.