Rückzahlung sollte wohlüberlegt sein

Basler Zeitung, 10.3.2016

Von Daniel Saladin, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel

Amortisation der Hypothek kann den finanziellen Spielraum einschränken

Viele Eigenheimbesitzer möchten ihren Ruhestand möglichst schuldenfrei geniessen. Sie erwägen deshalb, ihre Hypothek bei der Pensionierung ganz oder teilweise zurückzuzahlen - zum Beispiel mit Vorsorgeguthaben. So gehen sie davon aus, dass sie die Hypothek bei Bedarf wieder aufstocken können. Doch was viele nicht wissen: Weil das Einkommen vieler Rentner nach der Pensionierung deutlich zurückgeht, lehnen die Banken die Aufstockung der Hypothek oftmals ab. Aber auch sonst sollten Vor- und Nachteil einer Amortisation gut abgewogen werden.

Nach einer Amortisation ist das Kapital im Eigenheim gebunden. Kommt es zu finanziellen Engpässen, sei es beispielsweise wegen einer Renovation oder weil man pflegebedürftig wird, können Hausbesitzer, die kurz vor der Pensionierung stehen oder bereits pensioniert sind, ihre Hypothek unter Umständen nicht mehr oder nur bedingt wieder aufstocken. Denn aus Sicht der Bank gilt eine Hypothek nur dann als tragbar, wenn die Zins- und Nebenkosten nicht mehr als ein Drittel des regelmässigen Einkommens betragen - auch dann, wenn die Hypothekarzinsen auf fünf Prozent steigen. Weil ihr Einkommen nach der Pensionierung in der Regel deutlich zurückgeht, erfüllen Rentner diese Kriterien oftmals nicht.

Wer die Hypothek amortisiert, sollte deshalb immer eine ausreichende Reserve an flüssigen Mitteln zurückbehalten, um unvorhersehbare Kosten decken zu können. Anstatt die Hypothek zu amortisieren, können Pensionierte das verfügbare Geld auch nach und nach aufbrauchen und so ihr laufendes Einkommen ausbessern. Ein Guthaben von beispielsweise 250 000 Franken reicht aus, um sich 25 Jahre lang eine Zusatz-Rente von 10 000 Franken auszuzahlen, wenn das Guthaben keinen Zins abwirft. Bei einem Ertrag von zwei Prozent sind es bereits 12 800 Franken.

Ehepartner gut absichern

Wer hingegen seine Hypothek reduziert, zahlt weniger Hypothekarzinsen. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass im Gegenzug auch die Steuerbelastung steigt, weil der Abzug für die Schuld zinsen kleiner wird.

Wer sein Vorsorgeguthaben für die Amortisation seiner Hypothek aufwendet, verzichtet zudem auf Erträge, die dieses Geld abwerfen würden, wenn es angelegt wäre - sofern vom Anlageertrag netto nach Steuern und Gebühren mehr übrig bleibt, als die Hypothek netto nach Steuern kostet.

Generell gilt: Wenn ein grosser Teil des Vermögens eines Ehepaars im Eigenheim gebunden ist, ist es besonders wichtig, dass sich die Ehepartner für den Todesfall gegenseitig gut absichern. Sonst muss der überlebende Partner das Eigenheim womöglich verkaufen, um die anderen Erben auszuzahlen. Ohne rechtzeitige Vorkehrung steht den Kindern die Hälfte des Nachlassvermögens ihres verstorbenen Elternteils zu. Der Erbanteil der Kinder und ihrer Nachkommen lässt sich mit einem Ehevertrag, Testament oder Erbvertrag deutlich reduzieren. Es hängt von der Zusammensetzung des ehelichen Vermögens ab, ob eine dieser Möglichkeiten oder eine Kombination davon die sinnvollste Lösung ist.

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