Rente oder Kapital?

Diese Seite teilen

Basler Zeitung, 28.7.2016

Ratgeber: Wer pensioniert wird, steht vor der Wahl, sich das Pensionskassenkapital auszahlen zu lassen oder eine Rente zu beziehen. Mit einer Rente ist das Einkommen lebenslang gesichert. Sie hat auch den Vorteil, dass man sich nicht um die Anlage des Geldes kümmern muss. Für den Kapitalbezug sprechen im Gegenzug steuerliche Vorteile, weil der einmalig zu einem reduzierten Steuersatz versteuert wird. Zudem ist es oft einfacher, die Hinterbliebenen finanziell abzusichern, wenn man das Kapital bezieht.

Philipp Burla, Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel

Alle diese Vor- und Nachteile machen es für angehende Pensionierte schwer, sich zwischen einer Rente und dem Kapital zu entscheiden. Immer mehr bevorzugen deshalb eine Kombination, wobei sie einen Teil des Guthabens als Kapital und den Rest als Rente beziehen. Mit der Rente wird die Existenz bis ins hohe Alter gesichert, während man sich mit dem Kapital jederzeit besondere Wünsche erfüllen kann.

Laut Gesetz dürfen Versicherte mindestens 25 Prozent ihres obligatorischen Altersguthabens als Kapital beziehen. Bei vielen Pensionskassen können die Versicherten frei wählen, welchen Anteil ihres Guthabens sie als Rente und welchen sie als Kapital beziehen möchten. Je nach Pensionskasse muss der Kapitalbezug bis zu drei Jahre im Voraus angemeldet werden. Für Rentenbezüger gibt es in der Regel keine Frist.

Wenn sich Ehepaare für einen sogenannten Mischbezug entscheiden, bezieht oft ein Ehepartner das Kapital und der andere die Rente. In diesem Fall stellt sich die schwierige Frage, wer von beiden besser die Rente bezieht. Dazu sollten die Rentenkonditionen der beiden Pensionskassen genau miteinander verglichen werden.

Konditionen prüfen

Wie attraktiv ein Rentenbezug ist, hängt unter anderem von der Höhe des Umwandlungssatzes ab. Mit diesem Satz rechnen die Pensionskassen das angesparte Altersguthaben in eine lebenslange Rente um. Ein tieferer Umwandlungssatz bedeutet in der Regel eine tiefere Rente.

Neben dem Umwandlungssatz spielt bei der Frage, welcher der beiden Ehepartner die Rente und wer das Kapital bezieht, auch die Restlebenserwartung eine wichtige Rolle - vor allem dann, wenn Rentenkonditionen und Hinterlassenenleistung bei beiden Pensionskassen mehr oder weniger identisch sind. Statistisch betrachtet haben Frauen mit 65 eine höhere Lebenserwartung als Männer und beziehen folglich länger eine Rente. Sind beide Ehepartner etwa gleich alt, sollte daher eher die Frau die Rente beziehen. Anders verhält es sich jedoch, wenn die Frau aus gesundheitlichen Gründen eine stark verkürzte Lebenserwartung hat.

Beim Mischbezug sollten Ehepaare zudem abklären, welche Leistungen dem überlebenden Partner zustehen. Die Witwen- beziehungsweise Witwerrente beträgt im Normalfall 60 Prozent der Altersrente. Manche Pensionskassen zahlen den Hinterbliebenen aber auch mehr. Einige schränken ihre Leistungen hingegen ein, wenn der Altersunterschied zwischen den beiden Ehepartnern gross ist oder der Versicherte erst im hohen Alter geheiratet hat.