Rente oder Kapital beziehen?

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Basler Zeitung, 28.4.2016

Von Vittoria Guernier, Pensionierungsexpertin beim VZ VermögensZentrum in Basel

Pensionskasse: Für Unentschlossene ist oft ein Mittelweg die beste Lösung

Wer pensioniert wird steht vor der Wahl, sich das Pensionskassenkapital auszahlen zu lassen oder eine lebenslange Rente zu beziehen. Mit einer Rente ist das Einkommen lebenslang gesichert. Sie hat auch den Vorteil, dass man sich nicht um die Anlage des Geldes kümmern muss. Währenddessen wird der Kapitalbezug zu einem reduzierten Steuersatz versteuert. Zudem können mit dem Bezug des Kapitals die Hinterbliebenen oftmals finanziell besser abgesichert werden.

Wenn die Börsen aber heftig reagieren, wie es zum Beispiel Anfang Jahr der Fall war, ist vielen Versicherten der Kapitalbezug zu riskant. Sie befürchten, ihr Vermögen zu verlieren. Doch was viele vergessen: Die Lebenserwartung beträgt nach der ordentlichen Pensionierung für Männer rund 19 und für Frauen gut 22 Jahre. Wenn man nun diesen langen Anlagehorizont für sein PK-Guthaben vor Augen hält, verliert die aktuelle Börsenlage an Bedeutung. So wirken sich kurzfristige Schwankungen nach oben wie nach unten in der Regel deutlich geringer auf die langfristige Wertentwicklung aus. Demnach erlaubt auch ein Kapitalbezug ein sicheres Einkommen bis zum Lebensende. Entscheidend ist jedoch die richtige, auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Anlagestrategie.

Ein Beispiel: Ein 65-jähriger Mann hat bis zur ordentlichen Pensionierung 750'000 Franken in seiner Pensionskasse angespart. Bei einem Umwandlungssatz von sechs Prozent erhält er 45'000 Franken pro Jahr. Da die Rente aber zu 100 Prozent einkommenssteuerpflichtig ist, bleiben bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent netto nach Steuern noch 33'750 Franken im Jahr.

Derselbe Rentner kann sich das ganze Guthaben auch einmalig auszahlen lassen und zum Beispiel zu zwei Prozent anlegen. Abzüglich Auszahlungssteuern von 8,6 Prozent bleiben dem Rentner 685'350 Franken. Verzehrt er davon jährlich 33'750 Franken, dauert es inklusive Abzug der Einkommensund Vermögenssteuern mehr als 22 Jahre, bis sein gesamtes Vermögen aufgebraucht ist.

Noch länger reicht das Kapital, wenn die Pensionskasse den Umwandlungssatz in diesem Beispiel von sechs auf fünf Prozent senkt. Bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent beträgt die jährliche Rente dann noch 28'125 Franken. Würde der Rentner nun wieder das Kapital beziehen und sich die Rente selber auszahlen, dauert es gut 27 Jahre, bis sein Kapital aufgebraucht ist. Stirbt er früher, kann er das Ersparte seinen Angehörigen vererben.

Laut Gesetz dürfen Versicherte mindestens 25 Prozent ihres obligatorischen Altersguthabens als Kapital beziehen. Je nach Pensionskasse muss der Kapitalbezug bis zu drei Jahre im Voraus angemeldet werden. Für jene, die sich nicht zwischen Rente oder Kapital entscheiden können, lohnt sich möglicherweise der sogenannte Mischbezug. Dabei wird ein Teil des Guthabens als Kapital und der Rest als Rente bezogen. Man profitiert also von einem steuerlichen Vorteil und hat gleichzeitig seine Existenz bis ins hohe Alter gesichert. Allerdings: Ob man sich sein Pensionskassenguthaben, ganz, teilweise oder als Rente auszahlen lässt, sollte nicht alleine von steuerlichen Gründen abhängig gemacht werden. Genau so wichtig ist die finanzielle Absicherung des Pensionierten und seiner Hinterbliebenen.