Pensionskassen senken die Renten

Basler Zeitung, 3.3.2016

Von Alessandro Milano, stellvertretender Niederlassungsleiter beim VZ VermögensZentrum in Basel

Wie sich eine im Alter drohende Einbusse des Einkommens vermeiden lässt

Immer mehr Pensionskassen überprüfen ihre Rentenversprechen. Grund ist die steigende Lebenserwartung und das anhaltende Tiefzinsniveau. Beides führt dazu, dass Pensionskassen schon seit Längerem einen Beitrag von den erwerbstätigen Versicherten abzweigen, um die Renten von Pensionierten finanzieren zu können. Einige Pensionskassen versuchen nun der steigenden Umverteilung einen Riegel zu schieben und passen deshalb ihre Reglemente an. So hat beispielsweise die Pensionskasse der SBB den Umwandlungssatz per 1. Januar auf 5,22 Prozent gesenkt. Die Pensionskasse von Novartis senkte ihren Satz auf 5,35 Prozent und jene der Credit Suisse plant neben einer Erhöhung des Pensionsalters von 63 auf 65 Jahren, den heutigen Umwandlungssatz bis im Jahr 2025 schrittweise auf 4,865 Prozent zu senken.

Umwandlung heute zu 6,8 Prozent

Der gesetzliche Umwandlungssatz beträgt heute 6,8 Prozent. Damit müssen Pensionskassen die obligatorischen Altersguthaben in Renten umrechnen. Im Rahmen der «Altersvorsorge 2020» schlägt der Bundesrat nun eine Senkung auf 6,0 Prozent vor. Einige Pensionskassen haben allerdings einen umhüllenden Umwandlungssatz für obligatorische und überobligatorische Leistungen. Dieser kann tiefer sein als der gesetzlich vorgegebene Umwandlungssatz. Der Grund dafür: Die Pensionskassen können die Umwandlungssätze selbst festlegen, solange mindestens die obligatorische Leistung erbracht wird.

Das wirkt sich auf die Renten aus: Aus einem Sparkapital in Höhe von 100 000 Franken ergibt sich bei einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent eine Jahresrente von 6800 Franken, bei rund fünf Prozent sind es noch 5000 Franken. Viele Pensionskassen planen zudem eine Kürzung des technischen Zinssatzes.

Angehende Pensionierte haben mehrere Möglichkeiten, eine drohende Rentenkürzung zu umgehen. Wenn man in Pension geht, bevor die Senkung des Umwandlungssatzes in Kraft tritt, wird die Altersrente noch mit dem aktuellen Satz berechnet. Allerdings: Frühzeitige Rentenbezüge führen ebenfalls zu einer Rentenkürzung.

Freiwillige Einzahlungen möglich

Jene, die erst nach der Senkung des Umwandlungssatzes in Pension gehen, können eine drohende Rentenkürzung allenfalls mit freiwilligen Einzahlungen kompensieren. Diese Einkaufsbeträge lassen sich vom steuerbaren Einkommen abziehen. Besonders lohnenswert sind Einkäufe in den Jahren vor der Pensionierung. Einzahlungen lohnen sich nämlich umso mehr, je höher das steuerbare Einkommen ist und je schneller man das Geld der Pensionskasse wieder bezieht.

Wer sich aber mindestens einen Teil seines Altersguthabens bei der Pensionierung auszahlen lassen möchte, muss sich spätestens drei Jahre davor einkaufen. Sonst sind die Steuern nachzuzahlen, die man dank dem Einkauf gespart hat. Wer das ganze Guthaben als Rente bezieht, kann sich auch im Jahr der Pensionierung noch einkaufen.

Prüfen sollte man auch die Möglichkeit einer so genannten Teilpensionierung. Wer zum Beispiel mit 63 Jahren sein Arbeitspensum von 100 auf 50 Prozent reduziert, kann bei den meisten Pensionskassen bereits die Hälfte seiner Altersrente zum aktuellen Umwandlungssatz beziehen.

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