Pensionskassen schränken den Rentenbezug ein

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Basler Zeitung, 29.8.2016

Bei gewissen Pensionskassen muss Altersguthaben als Kapital bezogen werden

Von Vittoria Guernier, Vorsorgespezialistin beim VZ VermögensZentrum

Seit die Nationalbank Negativzinsen eingeführt hat, sind die Anlageerträge der Pensionskassen stark geschrumpft. Stiftungsräte kommen in Zugzwang und wählen neben der Senkung der Umwandlungssätze teilweise unkonventionelle Massnahmen: Bei der Credit Suisse etwa müssen Versicherte neu einen Teil ihres Altersguthabens zwingend als Kapital beziehen.

Betroffen sind die Sparguthaben im Überobligatorium, also Lohnbestandteile über 84'600 Franken. Auch andere Pensionskassen verlangen von ihren Versicherten, dass sie mindestens einen Teil ihres Altersguthabens als Kapital beziehen. Mit dieser Massnahme folgen einige Stiftungsräte nicht nur internationalen Rechnungsstandards, sondern versuchen auch ihre Pensionskasse zu entlasten. Denn jeder Rentner, der sein Guthaben auszahlen lässt, entlastet die Pensionskasse, weil sie das Langlebigkeitsrisiko nicht mehr tragen muss.

Sicher und ertragreich zugleich

Angesichts der Turbulenzen an den Aktienmärkten und der tiefen Zinsen schrecken aber viele Versicherte davor zurück, ihr Altersguthaben selbst zu verwalten. Die meisten fühlen sich überfordert: Wie sollen sie ihr Geld sicher und gleichzeitig ertragreich anlegen? Schliesslich muss es für viele Jahre reichen, auch wenn sie sich nur einen Teil ihres Pensionskassen-Guthabens auszahlen lassen.

Was viele vergessen: Nach der ordentlichen Pensionierung haben Männer eine statistische Lebenserwartung von rund 19 Jahren, Frauen von gut 22 Jahren. Bei einem so langen Anlagehorizont wirken sich kurzfristige Schwankungen an den Börsen geringer auf die Wertentwicklung aus. Deshalb ist ein sicheres Einkommen bis zum Lebensende auch mit einem Kapitalbezug möglich. Entscheidend ist, dass die Anlagestrategie optimal auf die Bedürfnisse der Pensionierten abgestimmt ist.

Ein Fallbeispiel

Beispiel: Ein 65-jähriger Mann, in Basel-Stadt wohnhaft, hat bis zu seiner ordentlichen Pensionierung 750'000 Franken in der Pensionskasse angespart. Bei einem Umwandlungssatz von fünf Prozent erhält er 37'500 Franken Rente pro Jahr. Da er die Rente zu 100 Prozent als Einkommen versteuern muss, bleiben ihm bei einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent davon noch 28'125 Franken pro Jahr.

Lässt er bei der Pensionierung sein gesamtes Guthaben auszahlen, bekommt er nach Abzug der Auszahlungssteuern rund 676'000 Franken. Wenn er ebenfalls 28'125 Franken pro Jahr verbraucht, kann er mehr als 30 Jahre lang von diesem Geld leben, bis es aufgebraucht ist, selbst wenn er nur einen bescheidenen Ertrag von 1,5 Prozent erwirtschaftet. Und im Gegensatz zur Rente erben seine Angehörigen das restliche Kapital, falls er früher stirbt.

Wichtig: Bei vielen Pensionskassen muss man bis zu drei Jahre vor der Pensionierung einen Antrag stellen, wenn man sich sein Guthaben auszahlen lassen will. Ob man sich sein Guthaben in der Pensionskasse auszahlen lässt, sollte man nicht allein von den Steuern abhängig machen. Genauso wichtig sind die eigene Absicherung