Pensionskassen-Ausweis sorgfältig studieren

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Der Schweizerische Hauseigentümer, 15.3.2016

Von Romina Mutter, Leiterin Vorsorgeberatung beim VZ VermögensZentrum

Pensionskassen-Versicherte sollten den Vorsorgeausweis, den sie in den letzten Wochen erhalten haben, nicht einfach unbesehen in einem Ordner ablegen. Im Gegenteil: Nur wer den Ausweis sorgfältig studiert, kann beurteilen, ob die Leistungen seiner Pensionskasse ausreichen oder ob er sich darüber hinaus finanziell absichern sollte.

So enthält der Ausweis wichtige Informationen darüber, wie hoch die Rente nach der Pensionierung voraussichtlich ausfällt, welche Leistungen die Angehörigen im Todesfall bekommen und welche Rente die Pensionskasse zahlt, falls man invalid werden sollte.

Im Minimum sollte man deshalb prüfen, ob der AHV-Jahreslohn im Pensionskassen-Ausweis dem effektiven Bruttolohn gemäss Lohnausweis des Arbeitgebers übereinstimmt. Bei Abweichungen können Alters-, Hinterbliebenen- und Invalidenrenten zu tief ausfallen und je nachdem zu finanziellen Lücken führen.

Ab 50 auf die Pensionierung vorbereiten

Spätestens mit 50 sollten sich Erwerbstätige einen Überblick darüber verschaffen, wie sie nach der Pensionierung finanziell dastehen. Dabei stellt sich primär die Frage: Reichen die Renten zusammen mit dem Vermögen aus, um die voraussichtlichen Ausgaben zu decken? Falls nicht, sollte man möglichst sofort damit beginnen, das fehlende Vermögen anzusparen.

Die voraussichtliche AHV-Rente können Erwerbstätige ab 40 alle fünf Jahre von der AHV kostenlos berechnen lassen. Die voraussichtliche Altersrente der Pensionskasse steht im PK-Ausweis. Sie ist aber lediglich ein Indikator. Die Rentenumwandlungssätze dürften in den nächsten Jahren weiter sinken.

Wer mit einer Frühpensionierung liebäugelt, kann im PK-Ausweis nachsehen, um wieviel Prozent sich seine Rente bei einem vorzeitigen Bezug reduziert. Meistens wird die Rente von Frühpensionierten um fünf bis sieben Prozent pro Vorbezugsjahr gekürzt. Grund sind fehlende Beitragsjahre und Zinsgutschriften, die das Alterskapital schmälern. Zudem muss das Guthaben über eine längere Periode ausbezahlt werden, weshalb die Pensionskassen den Umwandlungssatz, mit dem das Guthaben in eine lebenslange Rente umgerechnet wird, tiefer ansetzen. Das heisst: Ein Versicherter, der sich mit 60 statt 65 pensionieren lässt, erhält unter Umständen über einen Drittel weniger Rente.

Wichtig für jüngere Versicherte

Je länger es noch dauert, bis ein Versicherter pensioniert wird, desto weniger aussagekräftig sind die voraussichtlichen Altersleistungen in seinem PK-Ausweis. Die Entwicklung der Zinsen und Rentenumwandlungssätze kann niemand auf Jahre hinaus zuverlässig voraussehen. Für jüngere Versicherte sind deshalb vor allem die PK-Leistungen bei Invalidität oder Tod wichtig. Wer mit den Renten von IV und Pensionskasse finanziell nicht über die Runden kommt, falls er invalid wird, sollte den Abschluss einer privaten Erwerbsunfähigkeitsversicherung prüfen. Hat der Arbeitgeber keine Taggeldversicherung, die das Einkommen während der Wartefristen von IV und Pensionskasse von bis zu zwei Jahren sicherstellt, sollte man unter Umständen auch eine private Taggeldversicherung abschliessen.

Versicherte mit Familie sollten zudem prüfen, ob ihre Hinterbliebenen von den Leistungen der AHV und Pensionskasse leben können, wenn sie sterben. Einen Fehlbetrag decken sie in der Regel am besten mit einer separaten Todesfallrisikoversicherung ab. Konkubinatspaare klären mit Vorteil ab, ob ihre Pensionskasse auch Leistungen an den hinterbliebenen Partner vorsieht und welche Voraussetzungen für eine Partnerrente erfüllt sein müssen.

Einkäufe zur Steueroptimierung nutzen

Auf dem Vorsorgeausweis aufgeführt ist in der Regel auch das Einkaufspotenzial. Freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse sind steuerlich attraktiv und verbessern die Altersvorsorge. Besonders lohnenswert sind Einkäufe in den Jahren vor der Pensionierung. Einzahlungen lohnen sich nämlich umso mehr, je höher das steuerbare Einkommen ist und je schneller man das Geld der Pensionskasse wieder bezieht. Je länger das Geld in der Pensionskasse bleibt, desto stärker verwässert sich die Steuerersparnis, die man bei der Einzahlung erzielt. Wer mindestens einen Teil des Guthabens bei der Pensionierung auszahlen lassen möchte, muss sich spätestens drei Jahre davor einkaufen.

Vor einem Einkauf sollte man allerdings unbedingt abklären, ob der Ehe- oder Lebenspartner dieses Geld bekommt, wenn der Versicherte stirbt. Bei vielen Pensionskassen entspricht die Hinterbliebenenrente einem fixen Prozentsatz des versicherten Lohnes. Ein Einkauf hat bei diesen Pensionskassen keine höhere Rente für die Hinterbliebenen zur Folge. Sie finanzieren mit den Einkaufsbeträgen nur die Rente des hinterbliebenen Ehe- oder Lebenspartners, die ihm auch sonst zusteht. Freiwillige Einzahlungen sind dann im Todesfall in der Regel verloren.