Nicht nur wann, sondern auch wie

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Basler Zeitung, 26.5.2016

Von Roman Kunz, Pensionierungsexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Liestal

Den richtigen Zeitpunkt für den Einkauf in die Pensionskasse bestimmen

Die mageren Anlageerträge und steigende Lebenserwartung machen den Pensionskassen schwer zu schaffen. Viele Stiftungen senken deshalb unter anderem den Umwandlungssatz. Mit dem Satz wird das angesparte Kapital in eine Rente umgewandelt. Dabei gilt: Je tiefer der Umwandlungssatz, desto tiefer die jährliche Rente. Eine Möglichkeit, um seine Rente aufzubessern, sind Einkäufe in die Pensionskasse. Der Vorteil: Die Einzahlungen können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.

Einkäufe lohnen sich in der Regel am meisten in den Jahren vor der Pensionierung, wenn das steuerbare Einkommen am höchsten ist und das Geld wieder rasch bezogen wird. Neben dem richtigen Zeitpunkt spielt aber auch die Lebenserwartung und der Umwandlungssatz eine wichtige Rolle - vor allem dann, wenn man sich schliesslich für eine Rente entscheidet.

Eine höhere Rente

Denn beim Rentenbezug wird die gesamte Einkaufssumme im Laufe der Jahre in Form einer höheren Rente zurückbezahlt. Ein Beispiel: Ein 59-Jähriger zahlt bis zu seiner ordentlichen Pensionierung 25'000 Franken pro Jahr in seine Pensionskasse ein. Bei einem Grenzsteuersatz von 35 Prozent spart er dadurch jedes Jahr 8'750 Franken an Steuern.

Mit 65 Jahren beträgt das zusätzliche Kapital bei einer jährlichen Verzinsung von 1,5 Prozent rund 158'000 Franken. Bei einem Umwandlungssatz von sechs Prozent ergibt sich daraus eine zusätzliche Rente von 9'500 Franken pro Jahr. Die Rente wird jedoch zum Einkommenstarif versteuert, weshalb die zusätzliche Altersrente zu einer höheren Steuerlast führt. Will heissen: Bei einem Grenzsteuertarif von 25 Prozent zahlt der Pensionierte jährlich knapp 2'500 Franken mehr Steuern.

Je länger, desto höher

Daraus resultiert schliesslich auf dem Einkauf eine Rendite von 2,4 Prozent, wenn die oben erwähnte Person das Alter 83 erreicht. Wird die Person gar 92 alt, verdoppelt sich die Rendite. So gilt beim Rentenbezug: Je länger jemand die Rente bezieht, desto höher ist die jährliche Rendite auf dem Einkauf. Bezieht die Person die Rente nur bis 79, sinkt die Rendite auf 0,2 Prozent.

Senkt die Pensionskasse den Umwandlungssatz von sechs auf fünf Prozent, so muss der Versicherte die Rente schon bis Alter 88 beziehen, damit er auf dem zusätzlich einbezahlten Betrag eine jährliche Rendite von 2,4 Prozent erzielt. Allerdings: Statistisch gesehen leben Männer nach der ordentlichen Pensionierung 19,4 und Frauen 22,4 Jahre. Im Alter von 84 beträgt die Rendite in diesem Fall nur noch 0,5 Prozent.

Ein tieferer Satz

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass man einen möglichen Einkauf in die Pensionskasse gut abwägt. Höher ist die Rendite in der Regel, wenn man sich den Einkaufsbetrag auszahlen lässt. In diesem Fall beträgt sie in den Kantonen Basel- Stadt, Basel-Land, Aargau und Solothurn im Schnitt 9,5 Prozent. Im Gegensatz zur Rente wird der Kapitalbezug bei der Auszahlung zu einem tieferen Satz versteuert.

Wer einen Teil seines Pensionskassenguthabens als Kapital beziehen möchte, muss sich spätestens drei Jahre vor dem Bezug einkaufen. Ansonsten sind die Steuern nachzuzahlen, die man dank dem Einkauf gespart hat.