Lieber amortisieren statt Hypozinsen zahlen

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Basler Zeitung, 6.10.2016

Von Daniel Saladin, Hypothekarspezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel

Als Hausbesitzer muss man sich früher oder später die Frage stellen, ob man die Hypothek stehen lässt oder amortisiert. Die Mehrheit der Hypothekarnehmer lässt die Hypothek stehen, um Steuervorteile zu geniessen.

Allerdings: Wer seine Hypothek nicht amortisiert, muss mit seinem angelegten Kapital langfristig mehr Rendite erwirtschaften, als die Hypothek kostet. Ansonsten wächst der Schuldenberg.

In den meisten Fällen wird dann in Aktien oder ähnliche Anlagen investiert, die ein gewisses Risiko bergen, um ausreichend Rendite zu erwirtschaften. Dabei sollte bedacht werden, dass das Geld ein Stück weit jederzeit verfügbar sein sollte - etwa für den Fall eines späteren Zinsanstiegs oder um überraschend höhere Renovations- oder Unterhaltskosten zu begleichen. Von allzu spekulativen Anlagen mit starken Schwankungen ist daher abzuraten, wenn man sich nicht unnötig dem Risiko aussetzen will, die Geldanlage im dümmsten Fall weit unter dem Einstandswert verkaufen zu müssen.

Für risikoscheue Anleger ist die Wahl der Kapitalanlagen eingeschränkt. Wegen der tiefen Zinsen rentieren etwa zehnjährige Schweizer Staatsobligationen im Minus. Für diese Anleger kann es sich lohnen, die Hypothek teilweise zu amortisieren, etwa mit jenem Sparvermögen, das für Unterhalt und Renovationen zurückgestellt wird. Dieses Guthaben wird vielfach auf einem Konto belassen, auf dem es kaum Zins abwirft. Sollten zu einem späteren Zeitpunkt Renovationen anstehen, kann die Hypothek wieder aufgestockt werden.

Nicht zu viel amortisieren sollten Rentner oder angehende Pensionäre. Vielfach greifen sie für die Rückzahlung der Hypothek auch auf Vorsorgeguthaben zurück. Dabei gehen sie davon aus, dass sie die Hypothek bei Bedarf wieder aufstocken können, sollte es im Laufe der Pensionierung zu finanziellen Engpässen kommen. Viele Banken lehnen eine Aufstockung zur Aufbesserung des Renteneinkommens aber ab, weil die Belastung für Hypothekarzinsen und die Nebenkosten gemessen am Einkommen vom Rentner nicht tragbar wären.

Vorsicht bei Pensionierung

Aus Sicht der Bank gilt eine Hypothek nur dann als tragbar, wenn Zins und Nebenkosten nicht mehr als ein Drittel des regelmässigen Einkommens betragen – auch dann, wenn die Hypothekarzinsen auf fünf Prozent steigen. Weil das Einkommen nach der Pensionierung in der Regel zurückgeht, erfüllen Rentner diese Kriterien oft nicht.

Generell gilt deshalb: Wer die Hypothek amortisiert, sollte immer eine ausreichende Reserve an flüssigen Mitteln zurückbehalten, um unvorhersehbare Kosten decken zu können. Für Ehepaare ist es zudem wichtig, dass sie sich gegenseitig gut für den Todesfall absichern. Steckt ein Grossteil des Vermögens in der Liegenschaft, muss sie der überlebende Partner womöglich verkaufen, um die anderen Erben auszahlen zu können. Das lässt sich mit einer rechtzeitigen Nachlassplanung in vielen Fällen verhindern.