Kurz vor der Pensionierung arbeitslos

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Basler Zeitung, 15.9.2016

Ältere trifft eine unerwartete Kündigung besonders hart

Roman Kunz ist Pensionierungsspezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel und Liestal.

In der aktuellen Wirtschaftslage müssen viele Unternehmen Kosten sparen. Ältere Mitarbeitende sind oft als Erstes von einem Personalabbau betroffen. Sie werden häufig unfreiwillig frühpensioniert. Das kann die finanzielle Planung fürs Alter zunichtemachen, wenn man keine neue Stelle findet.

Auch wenn eine Entlassung ein Schock ist - wer kurz vor der ordentlichen Pensionierung entlassen wird, muss so rasch als möglich handeln. Innert wenigen Tagen oder Monaten muss man entscheiden, was mit seinem Pensionskassen-Guthaben geschehen soll. Bei vielen Pensionskassen liegt das frühestmögliche Pensionsalter bei 58 oder 60 Jahren.

Hat man zum Zeitpunkt der Kündigung dieses Alter erreicht, kann man zwischen einer vorzeitigen Altersleistung und einer Austrittsleistung, die auch Freizügigkeitsleistung genannt wird, wählen.

Vorsicht vor hohen Steuern

Beim vorzeitigen Bezug von Pensionskassenleistungen fällt die Rente deutlich kleiner aus als bei der ordentlichen Pensionierung. Grund sind fehlende Beitragsjahre und Zinsgutschriften, die das Alterskapital schmälern. Zudem muss das Guthaben über eine längere Periode ausbezahlt werden, weshalb die Pensionskassen den Umwandlungssatz, mit dem das Guthaben in eine lebenslange Rente umgerechnet wird, tiefer ansetzen.

Will ein Versicherter weiterhin erwerbstätig sein, muss er sein PK-Guthaben auf ein Freizügigkeitskonto oder eine Freizügigkeitspolice überweisen, sofern er beim Pensionskassenaustritt noch keine neue Stelle hat.

Findet der Versicherte keinen neuen Arbeitgeber mehr, kann er sein Freizügigkeitsguthaben nicht mehr als Rente beziehen. Ihm bleibt nur noch der Kapitalbezug. Immerhin: Den Bezug des Guthabens kann man bis 70 aufschieben (Frauen bis 69), was aus steuerlichen Gründen sinnvoll ist. Die Zinsen und Dividendenerträge auf Freizügigkeitskonten müssen nicht als Einkommen und das Guthaben nicht als Vermögen versteuert werden. Oft lassen sich noch mehr Steuern sparen, wenn man das PK-Guthaben auf zwei verschiedene Freizügigkeitskonten überweisen lässt und gestaffelt bezieht.

Abfindung neutralisieren

Wer weiterhin eine Erwerbstätigkeit anstrebt und sich die Option des Rentenbezugs offenhalten will, kann sein Guthaben an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG überweisen oder nach Auszahlung nach Möglichkeit eine Leibrente kaufen.

Manche Arbeitgeber federn die finanziellen Auswirkungen einer unfreiwilligen Frühpensionierung mit einer Abgangsentschädigung ab. Entschädigungen mit Vorsorgecharakter werden zum reduzierten Satz für Kapitalauszahlungen der zweiten Säule und der Säule 3a besteuert; Abfindungen ohne Vorsorgecharakter wie gewöhnliches Einkommen.

Der Vorsorgecharakter einer Abfindung ist gegeben, wenn der Frühpensionierte mindestens 55 Jahre alt ist, seine Haupterwerbstätigkeit definitiv aufgibt, und wenn wegen der Frühpensionierung eine Vorsorgelücke entsteht. Wenn man eine Kapitalabfindung hingegen normal als Einkommen versteuern muss, kann es sinnvoll sein, den Betrag nach Möglichkeit in die Pensionskasse einzuzahlen. Dadurch wird die Abfindung steuerlich neutralisiert.