Konkubinat kann beim Erben teuer ausfallen

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Basler Zeitung, 7.4.2016

Von Ersin Norkaya, Nachlassexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Rheinfelden

Hohe Steuern bei unterschiedlichen Wohnsitzen

Viele Paare leben heute ohne Trauschein zusammen, teilweise in separaten Wohnungen, etwa aus beruflichen Gründen. Einige verzichten bewusst auf eine Heirat, was angesichts einer Scheidungsquote von knapp 50 Prozent nicht erstaunt. Nur, im Todesfall sind Konkubinatspaare wesentlich schlechter abgesichert als Verheiratete. Keine Unterstützung dürfen Konkubinatspartner etwa von der AHV erwarten. Diese sichert nur Verheiratete und Kinder ab. Währenddessen zahlen viele Pensionskassen dem hinterbliebenen Konkubinatspartner freiwillig eine Rente oder eine einmalige Kapitalabfindung aus.

Dazu müssen eine oder mehrere Bedingungen erfüllt sein: Der überlebende Partner muss für ein gemeinsames Kind sorgen. Er wurde vom Verstorbenen finanziell stark unterstützt, und die Lebenspartnerschaft bestand bereits seit mindestens fünf Jahren. Darüber hinaus verlangen die meisten Pensionskassen, dass die versicherte Person zu Lebzeiten eine schriftliche Begünstigungserklärung zugunsten ihres Lebensparmers eingereicht hat.

Nicht wörtlich nehmen

Es gibt Pensionskassen, die eine Begünstigung des Lebenspartners von einem gemeinsamen Wohnsitz abhängig machen. Eine solche Vorschrift im Reglement darf nicht wörtlich genommen werden. So hat das Bundesgericht 2011 entschieden, dass für eine Lebensgemeinschaft eine ständige ungeteilte Wohngemeinschaft an einem festen Wohnort nicht verlangt werden dürfe. Trotz Bundesgerichtsentscheid erheben viele Kantone auf Erbschaften im Konkubinat mit unterschiedlichen Wohnsitzen allerdings hohe Steuern. In Basel-Stadt und im Baselland etwa gilt ein sogenanntes qualifiziertes Konkubinat nur dann, wenn ein Paar im Todesfall seit mindestens fünf Jahren im gemeinsamen Haushalt mit gleichem steuerrechtlichem Wohnsitz gelebt hat. Ist dies nicht der Fall, wird der hinterbliebene Partner als sogenannter Dritter und somit zum höchsten Satz besteuert.

Ein Beispiel: Hinterlässt ein verstorbener Partner in Basel-Stadt 250'000 Franken Vermögen, werden darauf bei einem qualifizierten Konkubinat rund 26'000 Franken Steuern fällig. Im Baselland sind es über 36'250 Franken. Hatten die Konkubinatspaare hingegen nicht denselben Wohnsitz, beträgt die Steuerbelastung in Basel-Stadt 89'800 Franken und im Baselland gut 74'000 Franken. Hinzu kommt: Hatte der Verstorbene Nachkommen, sind die Begünstigungsmöglichkeiten sehr beschränkt. So beträgt der Pflichtteil der Nachkommen drei Viertel des Nachlassvermögens. Für Konkubinatspaare, die nicht im selben Haushalt wohnen, kann es sich deshalb lohnen, im Todesfall die Leistungen aus der Pensionskasse des verstorbenen Partners in Form einer Rente zu beziehen.

Generell empfiehlt es sich für Konkubinatspaare, ein Testament oder einen Erbvertrag aufzusetzen. Damit können die Paare sicherstellen, dass auch von den restlichen Ersparnissen mindestens ein Teil ihrem Partner zugute kommt. Pflichtteile von Nachkommen müssen aber stets beibehalten werden.