Hypotheken werden immer günstiger

Basler Zeitung, 11.8.2016

Von Thomas Muggler, Hypothekarexperte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Rheinfelden

Bei den Schweizer Hypothekarzinsen scheint es derzeit nur eine Regel zu geben: Jedes Quartal noch etwas günstiger. Heute sind die Zinsen gar unter dem Stand von Anfang 2015, als die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufhob.

So kostet aktuell eine 10-jährige Festhypothek im Durchschnitt 1,4 Prozent. In einzelnen Fällen lassen sich bei Lebensversicherungen und Pensionskassen Verträge unter der Grenze von ein Prozent abschliessen. Allerdings sind Lebensversicherungen bei den kurzfristigeren Hypotheken deutlich teurer als die Banken.

Offen ist, wie sich das Votum Grossbritanniens zum Austritt aus der EU auf die Zinslandschaft auswirkt. Vergangene Woche hat die britische Notenbank ihren Leitzins von 0,5 auf 0,25 Prozent gesenkt - bisher ohne Auswirkungen auf die Schweizer Zinsen.

Zudem hat die Vergangenheit gezeigt, dass eine Senkung des Leitzinses nicht automatisch zu einer Verbilligung der Hypotheken führt. So haben die Banken die Zinsen für Festhypotheken nach der Einführung der Negativzinsen wegen gestiegener Absicherungskosten erst einmal erhöht. Dass die Hypothekarzinsen anschliessend wieder gesunken sind, hängt mit einer Abflachung der Zinskurve zusammen.

Dennoch bleiben Festhypotheken gegenüber Geldmarkt-Hypotheken (Libor-Hypotheken) zu teuer. Aktuell kosten Geldmarkt-Hypotheken rund ein Prozent. Das sind 0,4 Prozent weniger als für eine durchschnittliche Festhypothek. Oder in Franken ausgedrückt: Wer eine Festhypothek für eine Million Franken aufnimmt, bezahlt über zehn Jahre 40'000 Franken mehr, als wenn er eine Geldmarkt-Hypothek abschliesst.

Zudem beinhalten Festhypotheken einen Zinspuffer. Grund: Die Interbanksätze sind bis zu 0,8 Prozent im Minus. Die Banken kalkulieren die Zinssätze für Festhypotheken aber mit einem Zinssatz von 0 Prozent plus Kreditmarge. Erst wenn die Interbanksätze wieder über 0 Prozent steigen, können Festhypotheken überhaupt wieder substanziell teurer werden. Angesichts der weltweit tiefen Zinsen, ist ein Anstieg auf über 0 Prozent derzeit unvorstellbar. Aktuell sind die Interbanksätze über 24 Jahre im Minus.

Vorsicht bei langen Laufzeiten

Mit einer Festhypothek bezahlen Eigenheimkäufer aber nicht nur mehr Zinsen, sondern sie gehen auch Risiken ein: Eine berufliche Veränderung, eine schwere Krankheit, der Tod des Partners oder eine Scheidung können dazu führen, dass man sein Eigenheim verkaufen muss. Die Festhypothek muss vorzeitig aufgelöst werden, was den Hypothekarnehmer mehrere Zehntausend Franken kosten kann. Wer dennoch eine Festhypothek abschliessen möchte, sollte beim Kreditvertrag darauf achten, dass eine mögliche Ausstiegsentschädigung zugunsten des Hypothekarnehmers nicht von der Bank einbehalten wird.

Darüber hinaus bieten Festhypotheken keine Möglichkeit, die Zinsstrategie während der Laufzeit anzupassen.

Um möglichst gut auf die jeweilige Zinsentwicklung reagieren zu können, sollten Hypothekarkunden einen Anbieter wählen, der möglichst alle Laufzeiten zu einem verhältnismässig günstigen Preis anbieten kann.

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