Häufige Fehler bei Testament und Nachlass

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Basler Zeitung, 8.9.2016

Die Tücken von falschen Formulierungen

Von Karl Flubacher, Niederlassungsleiter des VZ VermögensZentrums in Basel

Nach einem Todesfall kommt es nicht selten zum Streit unter den Erbenden. Wer bekommt wie viel Geld, wer das Haus oder andere Vermögenswerte? Oft stiften auch gut gemeinte Testamente zusätzlichen Streit. Deshalb ist es wichtig, folgende Irrtümer zu vermeiden:

Irrtum 1: Notarielle Urkunden gelten mehr als handgeschriebene

Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, ein so wichtiges Dokument wie das Testament müsse offiziell aussehen und deshalb öffentlich beurkundet werden. Auch wenn das gesamte Testament von Hand niedergeschrieben und unterzeichnet wurde, ist es wirksam. Am besten lässt man es aber von einer Fachperson auf Form und Inhalt prüfen. Darüber hinaus sollte das Testament an einem sicheren Ort oder bei einer zuverlässigen Stelle hinterlegt werden, damit es im Todesfall auch gefunden und eröffnet wird.

Irrtum 2: Nach dem Tod des Ehepartners erbt der andere automatisch alles

Viele denken, die Kinder würden erst nach dem Tod des zweiten Partners erben. Fakt ist: Ohne Testament erben der hinterbliebene Partner und die Kinder je die Hälfte des Nachlasses. Gerade für Ehepaare, die zusammen ein Eigenheim besitzen, ist es deshalb besonders wichtig, sich gegenseitig finanziell abzusichern. Ohne Vorkehrungen ist der überlebende Partner möglicherweise gezwungen, das Eigenheim zu verkaufen, weil er die gesetzlichen Erben nicht auszahlen kann. Wenn ein Einkommen wegfällt, sind unter Umständen auch die Anforderungen der Bank an die Tragbarkeit der Hypothek nicht mehr erfüllt.

Irrtum 3: Ehepaare können ein gemeinsames Testament aufsetzen

Im schweizerischen Erbrecht ist die Form des gemeinschaftlichen Testaments nicht vorgesehen. Ein solches ist deshalb ungültig. Jeder Ehepartner muss für sich ein Testament aufsetzen.

Irrtum 4: Jeder kann bestimmen, wer wie viel erbt

Das stimmt grundsätzlich. Der Verfasser eines Testaments kann zum Beispiel anordnen, dass neben den gesetzlichen Erben auch andere Personen einen Anteil am Erbe erhalten sollen. Als Erben kann man neben Personen auch Institutionen (Stiftungen, Vereine, politische Organisationen usw.) einsetzen. Zudem darf der Erblasser darüber bestimmen, dass ein gesetzlicher Erbe eine höhere oder niedrigere Quote am Nachlass erhalten soll, als es das Gesetz vorsieht. In jedem Fall dürfen aber Pflichtteile nicht verletzt werden.

Irrtum 5: Wer vor seinem Tod alles verschenkt, verhindert Streit

Viele möchten schon zu Lebzeiten einen Teil ihres Vermögens übertragen. Erbvorbezüge, Schenkungen oder Darlehen sind für die Begünstigten eine schöne Sache, aber auch oft Grund für spätere Streitigkeiten - vor allem dann, wenn bei diesen sogenannten lebzeitigen Zuwendungen keine klare Abmachung getroffen wurde. Denn nach dem Tod müssen die Zuwendungen ausgeglichen werden. Erbvorbezüge sollten deshalb immer schriftlich festgehalten werden. Gleichzeitig sollte man festhalten, ob die lebzeitige Zuwendung bei der Erbteilung ausgeglichen werden muss oder nicht. Wichtig: Lebzeitige Zuwendungen werden bei der Berechnung der Pflichtteile berücksichtigt.