Guter Lohn, schlecht versichert

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Basler Zeitung, 24.11.2016

Laurent Buchs ist Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel

Wer gut verdient, geht in der Regel davon aus, dass er bei einer Krankheit, einem Unfall, im Alter oder Todesfall gut abgesichert ist. 

Tatsache ist: Je höher der Lohn, desto grösser sind oftmals die Vorsorgelücken. Grund sind die Kosten. So sind Arbeitgeber vielfach nicht bereit, die zusätzlichen Ausgaben zu tätigen, die es für die Absicherung von Besserverdienenden braucht. Vor allem kleinere und noch junge Unternehmen beschränken sich auf die minimalen Leistungen, die der Gesetzgeber vorschreibt. Aber auch leitende Angestellte bei grossen renommierten Firmen weisen nicht selten grosse Vorsorgelücken auf.

Das minimal gesetzlich definierte Leistungsziel der Sozialversicherung sieht vor, dass die 1. und 2. Säule zusammen nach der Pensionierung rund 60 Prozent des zuletzt bezogenen Lohnes sichern – allerdings nur bis zu einem Jahreseinkommen von 84‘600 Franken. Die obligatorische Unfallversicherung versichert Einkommen bis höchstens 148‘200 Franken. Wer deutlich mehr verdient, ist mit den gesetzlichen Mindestleistungen deshalb unterversichert. Das kann dazu führen, dass bei einer Krankheit, Invalidität oder Tod der gewohnte Lebensstandard nicht mehr finanziert und weitergeführt werden kann.

Ein Beispiel: Ein 50-jähriger, verheirateter Mann (ohne Kinder) verdient im Jahr 170‘000 Franken und ist nur minimal versichert. Würde er nun aufgrund einer Krankheit nicht mehr weiter arbeiten können, schrumpft sein Einkommen auf knapp 50‘000 Franken.

Noch gravierender wird die Situation, wenn der 50-jährige Mann an den Folgen der Krankheit stirbt. Bei einem vorzeitigen Tod würde seine nicht erwerbstätige Frau von der AHV und der Pensionskasse zusammen lediglich 35‘000 Franken Rente im Jahr erhalten. Auch die Altersrente von 60 000 Franken würde nicht genügen, den gewohnten Lebensstandard aufrechtzuhalten.

Zwar bieten immer mehr Arbeitgeber ihren leitenden Angestellten überobligatorische Versicherungen an. Doch gerade bei sehr hohen Löhnen reichen auch diese nicht aus, um Vorsorgelücken zu schliessen. Wer beispielsweise 200‘000 Franken verdient, bei einem Unfall oder einer Krankheit schliesslich 150‘000 Franken Invalidenrente erhält, muss abschätzen, ob sich der gewohnte Lebensstandard auch mit 50‘000 Franken weniger noch finanzieren lässt.

Falls nicht, kann man sich mit einer Versicherung dagegen absichern, beispielsweise mit einer reinen Todesfall- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Da die Prämienunterschiede sehr gross sind, lohnt es sich, von mehreren Versicherern eine Offerte einzuholen.

Für die Altersvorsorge eignen sich Einzahlungen in die Säule 3a und freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse. Dadurch lassen sich gleichzeitig Steuern sparen. Eine Überprüfung der Vorsorgesituation ist besonders bei grösseren Veränderungen ratsam, etwa nach grösseren Lohnsprüngen, bei Heirat oder Scheidung, beim Kauf eines Eigenheims, einem Stellenwechsel oder der Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit, mindestens aber alle fünf Jahre.