Früher in Pension: Kann ich mir das überhaupt leisten?

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Gourmet, 7.6.2016

Von Thomas Metzger, Leiter Key Clients Schweiz beim VZ VermögensZentrum

Die Wirtschaftslage ist angespannt. Viele Firmen müssen dringend sparen und bauen deshalb Personal ab. Gleichzeitig schrumpfen die Altersrenten in besorgniserregendem Tempo. Wer jetzt frühzeitig in Pension gehen will oder muss, sollte prüfen, wie sich der vorzeitige Ausstieg noch finanzieren lässt.

Die meisten Pensionskassen kürzen die Renten von Frühpensionären pro Vorbezugsjahr um 5 bis 7 Prozent. Wer schon mit 63 statt mit 65 in Rente geht, verzichtet demnach lebenslänglich auf 10 bis 14 Prozent seiner PK-Rente.

Überbrückungsrenten muss man meistens selbst finanzieren

Bei der AHV führt ein vorgezogener Bezug um ein Jahr zu einer Rentenkürzung um 6,8 Prozent pro Jahr; bei einer Pensionierung mit 63 fällt die jährliche Rente 13,6 Prozent tiefer aus. Rein rechnerisch lohnt sich ein AHV-Vorbezug nur für Pensionierte, die von einer tiefen Lebenserwartung ausgehen. Viele Pensionskassen bieten Frühpensionierten eine Überbrückungsrente an, mit der sie einen Vorbezug der AHV-Rente umgehen können. Meistens muss man diese Überbrückungsrente aber selbst finanzieren: Die ausbezahlten Renten werden von ihrem Pensionskassenguthaben abgezogen. Vorzeitige Rentenbezüge führen auch dazu, dass die AHV-Beiträge bis zum ordentlichen Rentenalter höher ausfallen.

In der Praxis gibt es eine Vielzahl von Rentenmodellen. Ob sich eine Überbrückungsrente lohnt, kann man im Einzelfall nur beurteilen, wenn man alle Aspekte berücksichtigt.

Vor allem wer unfreiwillig in die Frühpensionierung entlassen wird, sollte genau prüfen, ob sich eine Überbrückungsrente lohnt. Grund: Die Arbeitslosenkasse rechnet sie zum Einkommen und kürzt das Arbeitslosengeld.

Das PK-Guthaben gestaffelt beziehen

Eine weitere Finanzierungsquelle ist das Eigenheim. Man kann die Hypothek aufstocken und das Geld zur Überbrückung der Einkommenslücke verwenden. Viele Banken verweigern älteren Kreditnehmern jedoch eine weitere Verschuldung, auch wenn sie die höhere Hypothek problemlos bedienen könnten, vor allem bei den aktuell sehr tiefen Hypothekarzinsen. Eine interessante Möglichkeit für Hausbesitzer mit tiefer Belehnung ist eine sogenannte Immo-Rente.

Prüfen sollte man auch eine gestaffelte Pensionierung: Das kostet deutlich weniger als eine Frühpension, spart AHV-Beiträge und eröffnet Möglichkeiten zum Steuern sparen. In der Regel lassen sich PK-Guthaben dann gestaffelt beziehen. So zahlt man insgesamt weniger Steuern als beim Bezug des gesamten Guthabens.