Einfache Regeln können Anleger schützen

Basler Zeitung, 18.2.2016

Von Marc Hutmacher, Anlage-Experte beim VZ VermögensZentrum in Basel und Liestal

Emotionen sind an der Börse kein guter Ratgeber

Das Jahr an den Aktienmärkten ist turbulent gestartet. Bis Mitte Februar hat der Schweizer Leitindex SMI rund zehn Prozent an Wert verloren. Bei solchen kräftigen Kurstauchern sind viele Anleger versucht, ihre Anlagen weit unter ihrem Einstandspreis zu verkaufen - aus Angst, die Kurse könnten noch mehr einbrechen. Andere Anleger wiederum versuchen nun den richtigen Zeitpunkt für eine Neuinvestition zu finden, um von einer erhofften Gegenbewegung zu profitieren. Schliesslich ist es das Ziel jedes Anlegers, zu tiefen Preisen zu kaufen und zu hohen anschliessend zu verkaufen.

Gemeinsam haben die Anleger, dass sie sich von ihren Gefühlen leiten lassen und aus einem Impuls heraus kaufen oder verkaufen. Allerdings: Das Handeln aufgrund von Emotionen stellt sich oftmals als Fehler heraus. In schlechten Marktphasen stossen Anleger ihre Anlagen vielfach viel zu spät ab - oft nahe dem Tiefpunkt der Kursentwicklung. Es resultiert ein grosser Verlust. Und jene, die eine Neuinvestition tätigen wollen, profitieren nur bedingt von einer möglichen Kurserholung. Denn in der Regel steigen sie erst viel zu spät ein, wenn die Kurse schon erheblich gestiegen sind.

Kein Investor, ob Laie oder Experte, handelt rein rational. Dabei lassen sich emotionale Fehlentscheide schon mit ganz einfachen Regeln vermeiden. Ein sogenannter Stop-Loss-Auftrag etwa begrenzt den Verlust im Falle einer Börsenkorrektur. Dabei beauftragt der Anleger seine Bank, eine Aktie zu einem bestimmten Kurs zu verkaufen. Sinkt der Kurs auf oder unter diesen Wert, wird die Aktie automatisch zum Verkauf aufgegeben und der Verlust damit beschränkt.

Obwohl Stop-Loss-Limiten Verluste reduzieren können, reichen sie alleine nicht aus, um ganze Anlagelösungen robust zu machen. Hierfür eignen sich regelbasierte Anlagestrategien, wie beispielsweise Rebalancing, gleitende Durchschnitte oder auch die relative Stärke. Beim Rebalancing (Englisch für «Wiedereinpendeln») werden Anlageklassen mit Kursgewinnen verkauft und Anlageklassen mit Kursverlust aufgestockt. So investieren Anleger zu tieferen und verkaufen zu höheren Kursen. Regelbasiertes Rebalancing lohnt sich allerdings nur bei niedrigen Gebühren, denn teure Transaktionen würden die Rendite auffressen.

Auch gleitende Durchschnitte helfen Anlegern, Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu finden. Sie lösen ein Kaufsignal aus, wenn eine Anlageklasse von einem negativen in einen positiven Trend wechselt. Solange der Trend positiv bleibt, ist die Anlageklasse investiert. Wenn er dreht, wird sie verkauft.

Währenddessen vergleicht die relative Stärke die Trendstärke von verschiedenen Anlageklassen. Anlageklassen mit einem attraktiven Risiko-/Renditeprofil werden übergewichtet, weniger attraktive Anlageklassen werden untergewichtet.

Speziell interessant ist eine Kombination aus mehreren regelbasierten Anlagestrategien. Ein solches Vorgehen reduziert das Verlustrisiko in einer Krise und schafft Renditepotenzial in einer Phase steigender Kurse. Wichtig ist dabei in jedem Fall, dass die Regeln auch tatsächlich konsequent eingehalten werden.

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