Die Pensionierung will geplant sein

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Basler Zeitung, 4.11.2016

Von Karl Flurbacher, Vorsorgespezialist beim VZ VermögensZentrum in Basel

Wer 2017 in Rente geht, sollte schleunigst noch die letzten Vorkehrungen treffen

Mit der Pensionierung beginnt für die meisten Menschen ein neuer Lebensabschnitt - auch in finanzieller Hinsicht. Das angesparte Vorsorgekapital wird nun nach und nach aufgebraucht. Damit es zu keinen finanziellen Engpässen kommt, können auch noch kurzfristig Massnahmen ergriffen werden.

Mit einer Budgetplanung kann man feststellen, ob die Renten zusammen mit dem Vermögen ausreichen, um die voraussichtlichen Ausgaben zu decken. Dabei werden alle künftige Einnahmen und heutigen Ausgaben einander gegenübergestellt. Erfahrungsgemäss sinken die Ausgaben nach der Pensionierung nicht wesentlich.

Steuerfreie Einkäufe

Werden dabei Einkommenslücken sichtbar, sollte man sofort damit beginnen, das fehlende Vermögen anzusparen. Eine Möglichkeit, die Lücken zu schliessen, sind Einkäufe in die Pensionskasse. Der Vorteil: Die Einzahlungen können vollständig vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Dasselbe gilt auch für Einzahlungen in die Säule 3a bis zum Maximalbetrag von 6‘768 Franken. 

Eine Rente muss als Einkommen in vollem Umfang versteuert werden

Allerdings: Wer nächstes Jahr pensioniert wird, sollte nur freiwillig in die Pensionskasse einzahlen, wenn er sein Guthaben als Rente bezieht. Wer sein Guthaben oder einen Teil davon als Kapital beziehen möchte, sollte sich spätestens drei Jahre vor der Pensionierung einkaufen. Ansonsten müssen die Steuern nachgezahlt werden, die mit dem Einkauf gespart wurden.

Rente oder Kapital

Wer pensioniert wird, steht vor der Wahl, sich das Pensionskassenkapital auszahlen zu lassen oder eine lebenslange Rente zu beziehen. Mit einer Rente ist das Einkommen lebenslang gesichert. Sie hat auch den Vorteil, dass man sich nicht um die Anlage des Geldes kümmern muss. Allerdings muss sie vollumfänglich als Einkommen versteuert werden. Währenddessen wird der Kapitalbezug zu einem reduzierten Steuersatz versteuert. Zudem können mit dem Bezug des Kapitals die Hinterbliebenen oftmals finanziell besser abgesichert werden.

Vielen Versicherten fällt es angesichts der tiefen Zinsen und der Schwankungen an den Aktienmärkten jedoch schwer, einen Teil ihres Altersguthabens als Kapital zu beziehen. Oft sind sie bei der Anlage des Geldes überfordert. Wie soll man es sicher und gleichzeitig ertragsreich anlegen? Schliesslich muss das Geld für eine sehr lange Zeit reichen.

Kapitalbezug so sicher wie Rente

Was viele vergessen: Die Lebenserwartung beträgt nach der ordentlichen Pensionierung für Männer rund 19 und für Frauen gut 22 Jahre. Bei diesem langen Anlagehorizont wirken sich kurzfristige Turbulenzen an den Börsen in der Regel deutlich geringer auf die langfristige Wertentwicklung aus. Demnach erlaubt auch der Kapitalbezug ein sicheres Einkommen bis zum Lebensende. Entscheidend ist jedoch die richtige, auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Anlagestrategie.

Je nach Pensionskasse muss der Kapitalbezug bis zu drei Jahre im Voraus angemeldet werden. Für jene, die sich nicht zwischen Rente oder Kapital entscheiden können, lohnt möglicherweise der sogenannte Mischbezug. Dabei wird ein Teil des Guthabens als Kapital und der Rest als Rente bezogen.

Ob man sich sein Pensionskassenguthaben ganz, teilweise oder als Rente auszahlen lässt, sollte nicht alleine von steuerlichen Gründen abhängig gemacht werden. Genauso wichtig ist die finanzielle Absicherung des Pensionierten und seiner Hinterbliebenen.

Wer pensioniert wird, sollte dies der Ausgleichskasse einige Monate vorher melden.

Viele gehen davon aus, dass sie die AHV-Rente mit Alter 65 (Frauen mit Alter 64) automatisch erhalten. Doch der Bezug der Rente muss angemeldet werden. Die Anmeldung sollte drei bis sechs Monate vor der Pensionierung bei der zuständigen Ausgleichskasse erfolgen, damit schliesslich die erste Rente pünktlich ausbezahlt wird.

Drei Faktoren

Wie hoch die AHV-Rente ausfällt, hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab: der Anzahl Beitragsjahre, dem durchschnittlichen Jahreseinkommen zwischen dem 21. und 65. Altersjahr (Frauen: 21. bis 64. Altersjahr) und von Gutschriften für die Kindererziehung oder die Pflege naher Verwandter. Die maximale Altersrente von 2‘350 Franken pro Monat erhalten Personen mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen (inklusive Kinder- und Betreuungsgutschriften) von mindestens 84‘600 Franken.

Gestaffelter Bezug ist günstiger

Damit das Angesparte nicht unnötig für Steuerrechnungen draufgeht, lohnt es sich allenfalls, das Vorsorgeguthaben gestaffelt zu beziehen. Abklären sollte man zudem, ob man beim Austritt aus einer Pensionskasse einen Teil seines Altersguthabens auf zwei Freizügigkeitskonten transferieren kann.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn man sich selbstständig macht, die Erwerbstätigkeit vorübergehend aufgibt oder den Arbeitgeber wechselt und die Leistungen der neuen Pensionskasse schlechter sind als jene der bisherigen. Die beiden Freizügigkeitskonten kann man schliesslich gestaffelt in verschiedenen Jahren auflösen.

Denkbar ist auch eine Pensionierung in mehreren Stufen. Wer zum Beispiel mit 63 sein Arbeitspensum von 100 auf 50 Prozent reduziert, kann sich bei vielen Pensionskassen die Hälfte seines Altersguthabens bereits auszahlen lassen. In jedem Fall sinkt die Steuerlast, weil sich mit einer Verteilung der Bezüge über mehrere Jahre die Steuerprogression brechen lässt. Eine Zweiteilung von Pensionskassenbezügen wird von den Steuerbehörden in der Regel akzeptiert.

Wer über das ordentliche Pensionierungsalter hinaus erwerbstätig bleibt, darf auch weiter in die Säule 3a einzahlen. Die Beträge sind auf 6‘768 Franken pro Jahr beschränkt, falls gleichzeitig Beträge in die Pensionskasse gezahlt werden. Wer keine Pensionskassenbeiträge mehr zahlt, darf bis zu 20 Prozent des jährlichen Nettoeinkommens in die Säule 3a einzahlen, bis maximal 33‘840 Franken.

Ehepartner absichern

Eine wichtige Frage für Verheiratete ist, wie viel Rente dem überlebenden Ehepartner bleibt, wenn der andere stirbt. Witwen und Witwer bekommen von der AHV maximal 2‘350 Franken. Die Hinterlassenenrente der Pensionskasse schrumpft auf 60 Prozent der bisherigen Rente, sodass sich der überlebende Partner finanziell oft erheblich einschränken muss. Umso wichtiger ist es, dass er über das Vermögen verfügen kann. Das lässt sich in vielen Fällen erreichen, wenn sich die Ehepartner in einem Ehe- und Erbvertrag und/oder Testament so weit wie möglich gegenseitig absichern.