Die eingetragene Partnerschaft und das liebe Geld

Diese Seite teilen

Display, 1.4.2016

DISPLAY im Gespräch mit Jonas Schneider, Leiter LGBT Clients beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Steuern und Schulden, AHV und Renten: Was du beachten musst,
wenn du in eingetragener Partnerschaft lebst.

Ja, es gibt wieder Hoffnung, dass wir Schwulen offiziell heiraten dürfen. Denn die CVP-Initiative, welche diesverhindern wollte, hat das Volk abgelehnt. Bis es soweit ist, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern. In der Zwischenzeit haben wir weiterhin die Möglichkeit, unsere Partnerschaft auf dem Zivilstandsamt eintragen zu lassen. DISPLAY zeigt, wie es sich mit den Finanzen rund um die eingetragene Partnerschaft verhält. Auskunft gibt Jonas Schneider, Leiter LGBT Clients beim VZ VermögensZentrum Zürich.

DISPLAY: Jonas, ist denn die eingetragene Partnerschaft nicht beinahe dasselbe wie die Ehe?

Jonas Schneider: Mit der eingetragenen Partnerschaft erhält die Beziehung eines homosexuellen Paares einen Status, der zwar einer Ehe sehr ähnlich ist, Aber es gibt trotzdem noch Unterschiede: Die Stiefkindadoption ist bei schwulen Paaren noch nicht möglich. Und die künstliche Befruchtung ist verboten. Stossend ist auch, dass die eingetragene Partnerschaft ein separater Zivilstand ist. Wo immer man auch seinen Status angeben muss, deklariert man damit, dass man homosexuell ist. Und das kann diskriminierend sein.

Thema Steuern

DISPLAY: Wir fokussieren hier auf finanzielle Aspekte bei der eingetragenen Partnerschaft. Wie werden Schwule in diesem Status besteuert?

Man füllt eine gemeinsame Steuererklärung aus, in der beide Einkommen zusammengezählt werden. Dabei gerät man unter Umständen in eine höhere Progression. Das heisst: Je höher das Einkommen, desto höher ist auch der angewandte Steuersatz.

DISPLAY: Das ist ein Nachteil gegenüber Singles!

Auf den ersten Blick schon. Aber das höhere steuerbare Einkommen wird durch den Ehepaartarif - der auch für eingetragene Paare gilt - gemildert oder kompensiert. Zudem kann man gewisse pauschale Abzüge tätigen. In einigen Fällen zahlt man mit diesem Zivilstand sogar weniger Steuern.

DISPLAY: Nehmen wir ein Beispiel: Beide Partner verdienen je 100'000 Franken im Jahr.

Wohnt das Paar in der Stadt Zürich, muss es in der eingetragenen Partnerschaft 4000 Franken mehr Einkommenssteuern bezahlen als wenn beide ledig wären. Das ist ein Zuschlag von 16 Prozent.

DISPLAY: In welchen Fällen profitiert man?

Wenn die Einkommen der einzelnen Partner deutliche Unterschiede aufweisen. Wenn zum Beispiel der eine Mann 100'000 Franken und der andere 50'000 Franken verdient. Unter anderem dank den Abzügen müssen sie in eingetragener Partnerschaft, zum Beispiel in der Stadt Zug, 1400 Franken weniger Steuern bezahlen als Ledige.

DISPLAY: Viele Personen möchten aber trotz eingetragener Partnerschaft individuell besteuert werden.

Im Moment ist das nicht möglich. In der Politik gibt es Bestrebungen, diese Lösung ins Auge zu fassen. Im März hat der Nationalrat beschlossen, den Bundesrat per Motion zu beauftragen, eine Gesetzesvorlage zur Individualbesteuerung vorzubereiten.

Thema Erbschaftssteuern

DISPLAY: Steuern fallen ja auch beim Erben an. Welche Vorteile bringt die eingetragene Partnerschaft beim Erben?

Erhebliche Vorteile, denn die Erbschaftssteuer fällt weg, wie bei Ehepaaren. Die Erbschaftssteuer ist in vielen Kantonen massiv, im Kanton Zürich rund 30 Prozent.

DISPLAY: Nehmen wir ein konkretes Beispiel...

Wenn ein Mann seinem Partner 500'000 Franken hinterlässt, bezahlt er in nicht eingetragener Partnerschaft rund 120'000 Franken Erbschaftssteuern im Kanton Zürich. Man sieht: Durch die eingetragene Partnerschaft begünstigt man seinen Partner in erheblichem Mass.

Du empfiehlst Männern in eingetragener Partnerschaft, ausserdem noch ein Testament zu machen. Weshalb? Da ohne Testament mindestens ein Viertel des Nachlasses an die Eltern oder Geschwister fliesst. Dies kann man mit einem Testament verhindern und den Partner begünstigen.

Thema AHV

DISPLAY: Wie sieht die Regelung bei der AHV aus?

Eingetragene Paare bekommen nach der Pensionierung häufig weniger AHV-Rente als Konkubinatspaare. Die maximale Altersrente für eine Einzelperson beträgt zurzeit 2350 Franken pro Monat. Eingetragene Paare erhalten zusammen höchstens anderthalbmal so viel, also 3525 Franken, während Paare im Konkubinat bis zu 4700 Franken bekommen, wenn beide Partner Anspruch auf die Maximalrente haben.

DISPLAY: Woher kommt diese Diskriminierung?

Das Rentensystem basiert auf einem extrem konservativen Gesellschaftsbild, das noch aus den Fünfziger Jahren stammt: Der Mann arbeitet und bekommt eine Maximalrente, und die Frau ist zuhause am Herd.

Thema Pensionskasse

DISPLAY: Hat der Hinterbliebene Anrecht auf Zahlungen der Pensionskasse des verstorbenen Partners?

Die Pensionskasse des verstorbenen Partners zahlt eine Rente aus, wenn der überlebende Partner mindestens 45 Jahre alt ist und die Verbindung mindestens fünf Jahre eingetragen war. Für Details sollte man sich bei der Pensionskasse erkundigen.

Thema Erben

DISPLAY: Man spricht nicht gerne übers Erben. Aber man möchte doch seinen Partner im Todesfall absichern. Was tun?

Lebt man in eingetragener Partnerschaft, hat man Vorteile. Wenn man nicht verpartnert ist, kann es sein, dass der überlebende Partner vom Erbe seines Liebsten gar nichts bekommt - wegen der Pflichtteile an Eltern und eventuelle Kinder des Partners.

DISPLAY: Da sollte man sich wohl verpartnern?

Ja, denn dem überlebenden Partner steht in diesem Fall auch ohne Testament mindestens die Hälfte des Nachlasses seines verstorbenen Partners zu. Hinterlässt der Verstorbene keine Nachkommen, erhält der hinterbliebene Partner mindestens drei Viertel des Nachlasses.

Thema Schulden

DISPLAY: Einer der Partner ist verschuldet. Muss man für seine Schulden geradestehen?

Nein, jeder Partner haftet allein für seine Schulden und muss sich nicht an der Schuldentilgung beteiligen.

DISPLAY: Gibt es auch Ausnahmen?

Ja, es gilt die Pflicht, dass man sich gegenseitig beistehen muss. Wenn ein Partner zum Beispiel ausgesteuert ist und Sozialhilfe beantragt, prüft das Sozialamt die finanzielle Situation des anderen Partners. Und je nach Situation entfällt jegliche Sozialhilfe.

Fazit

Die eingetragene Partnerschaft bringt Rechte, aber auch Pflichten. Die finanziellen Konsequenzen müssen in jedem Einzelfall geprüft und durchgerechnet werden.