Den überlebenden Ehepartner finanziell absichern

Der Schweizerische Hauseigentümer, 15.5.2016

Von Gabrielle Sigg, Nachlassexpertin beim VZ VermögensZentrum in Zürich

Ehepaare sollten ihren Nachlass rechtzeitig planen und sicherstellen, dass der überlebende Partner nicht in einen finanziellen Engpass gerät.

Viele Ehepaare möchten sich gegenseitig so weit wie möglich begünstigen, damit der überlebende Partner finanziell abgesichert ist. Zwar steht Verheirateten gemäss Gesetz auch ohne spezielle Anordnung die Hälfte des Nachlasses des verstorbenen Ehepartners zu. In vielen Fällen ist damit aber nicht ausgeschlossen, dass der überlebende Ehepartner finanziell in Bedrängnis gerät.

Nach dem Tod des Ehepartners wird zunächst unterschieden, welche Vermögenswerte dem Ehemann und welche der Ehefrau gehören. Entscheidend für die Aufteilung des ehelichen Vermögens ist der  Güterstand, den die Eheleute gewählt haben. Bei der  Errungenschaftsbeteiligung wird das eheliche Vermögen in Eigengut und Errungenschaft aufgeteilt.

Die Hälfte des Errungenschaftsvermögens gehört dem überlebenden Ehegatten. Die andere Hälfte und das Eigengut des Verstorbenen fallen in den Nachlass. Davon steht dem überlebenden Ehegatten und den Nachkommen des Verstorbenen gemäss gesetzlicher  Erbfolge je die Hälfte zu. Hinterlässt der Verstorbene keine Nachkommen,  erhält der Ehepartner mindestens drei Viertel des Nachlassvermögens.

Bekommt der überlebende Ehepartner nur das, was ihm nach dem Gesetz zusteht, muss er unter Umständen das gemeinsame Eigenheim verkaufen,  um seine fixen Ausgaben zu senken oder um die übrigen Erben auszahlen zu können. Ehepaare sollten deshalb rechtzeitig Massnahmen ergreifen, um eine solche Situation möglichst vermeiden zu können.

Ehepaare mit Errungenschaftsbeteiligung können in einem Ehevertrag zum Beispiel vereinbaren, dass der überlebende Partner das gesamte Errungenschaftsvermögen erhält. Damit wird nur das Eigengut des  Verstorbenen unter allen Erbenden aufgeteilt. Allerdings: Eine solche Regelung ist nicht möglich, wenn Kinder aus früheren Beziehungen bestehen. Hier schreibt das Gesetz vor, dass mindestens die Pflichtteile  nicht-gemeinsamer Nachkommen gewahrt bleiben müssen.

Gemeinsame Kinder und ihre Nachkommen darf man hingegen  übergehen,  weil ihnen ihr Anteil am Vermögen des verstorbenen  Elternteils nach dem Tod des zweiten Elternteils zufällt.

Wechsel zur  Gütergemeinschaft

Die Zuweisung der- Errungenschaft stellt den überlebenden Ehepartner wesentlich besser, falls das eheliche Vermögen hauptsächlich aus  Errungenschaft besteht. Besteht das eheliche Vermögen jedoch zu einem grossen Teil aus dem Eigengut eines Ehepartners, ist der weniger begüterte Partner in einer Gütergemeinschaft besser gestellt als mit der Errungenschaftsbeteiligung. In so einer Situation kann es ausreichen, den Güterstand zu wechseln.

Bei der Gütergemeinschaft wird der Grossteil des Eigenguts zu  Gesamtgut, das beiden Ehepartnern je zur Hälfte gehört. Darüber hinaus kann das Ehepaar vereinbaren, dass das Gesamtgut vollständig dem überlebenden Partner zufällt - vorausgesetzt, die Kinder verzichten auf  ihren Pflichtteil. Diese Massnahme bietet sich vor allem für Ehepaare an,  die keine Kinder haben - weder gemeinsame noch aus früheren Beziehungen.

Erbrechtliche Massnahmen

Die Wahl des Güterstandes und die Zuweisung der Errungenschaft betreffen das Güterrecht. Lässt sich die gewünschte Besserstellung damit nicht erreichen, bietet das Erbrecht weitere Möglichkeiten. In einem Testament kann man die Erben auf ihre Pflichtteile setzen und die freie  Quote dem Ehepartner zuweisen.

Der Anspruch der Nachkommen verringert sich damit von der Hälfte auf  drei Achtel der Erbmasse des Verstorbenen. Der überlebende Ehepartner erhält dann fünf Achtel statt nur die Hälfte. Alternativ kann man dem  überlebenden Ehepartner die lebenslange Nutzniessung des gesamten  Nachlasses zusprechen. Dem Ehepartner steht dann nur noch ein Viertel  statt wie gesetzlich vorgesehen die Hälfte als Eigentum zu. Den Anteil der Kinder (drei Viertel) darf er jedoch verwalten und Erträge daraus (zum Beispiel Zinsen, Mieteinnahmen, Dividenden) für sich behalten.

Eine  weitere Möglichkeit stellt der freiwillige Verzicht der Kinder auf ihr  Erbe dar, bis auch der überlebende Ehepartner gestorben ist. Einen Erbverzicht muss man immer in einem öffentlich beurkundeten Erbvertrag  festhalten.

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